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Geschichten am Feuer
#31
Ein anderes Mal greift sie das Ende der Geschichte der Geschichte um Kore und Demeter wieder auf.

"Die griechischen Sagen sind das GZSZ der Antike. Sex, Liebe, Verwandtschaft, Betrug, Verrat und Mord - es hat alles, und besser als auf RTL." Sie grinst kurz zum Feuer. "Aber viele Geschichten haben einen Kern, den wir Garou kennen sollten: denn die Reiche, die beschrieben werden, existieren in der Umbra; die Heldentaten waren oft nicht die von Menschen, sondern von anderen Wesen, wie den Garou; und die Pakte, die geschlossen werden, sind den unseren so ähnlich, dass wir aus ihnen lernen sollten."

Dann wird ihre Stimme dunkel und seidig, und sie beginnt zu erzählen.


Griechische Sagen: Orpheus und Eurydike
(von Jana / von Echo of the Past)

"Von allen Musen hatte Kalliope die schönste Stimme und ihr Gesang war unübertroffen. Jeder Sänger, ob ein Hirte auf dem Feld oder ein Schausteller im Theater, bat sie um Beistand und ihre Aufmerksamkeit. Aber sie war auch die älteste und weiseste der Musen, die Herrin von Wissenschaft und Lautenspiel, die Schreiberin der Götter und die Muse der Epen und Heldensagen. Es ist nicht verwunderlich, dass von allen Göttern sich Apollo in sie verliebte, der Gesang, Dichtkunst und Musik über alles schätzte. Zwei Söhne wurden den beiden geboren; Linos der eine, der Lehrer des Herakles. Der andere, erstgeborene, war Orpheus und Apollo war so vernarrt in den Jungen, dass er ihm eine ganz besondere Lyra schenkte ? jene erstgeschaffene Lyra, die Hermes erfunden hatte. So war es nicht verwunderlich, dass der Götterbote einer der ersten war, der das Kind besuchte. Es war immerhin sein Neffe, und hatte ein nicht unbeachtliches Geschenk bekommen - und er hatte eine sehr schöne Mutter, wie er nicht zu erwähnen vergaß, um Apollo zu necken.

Von seinem Onkel bekam er die Gabe der Redegewandtheit; von seinen Eltern hatte er die Gabe des Gesangs geerbt, und niemand konnte ihn hierin übertreffen. Orpheus' Stimme betörte Götter, Menschen, Tiere und Pflanzen und Steine und Flüsse änderten ihren Lauf, um zu ihm nahe zu kommen, wenn er sang. Felsen weinten Tränen, wenn er von verlorener Liebe erzählte, wilde Tiere legten sich ihm friedlich zu Füßen und Bäume neigten sich ihm zu, um ihm Schatten zu spenden. Sein Ruhm war unerreicht. Als Iason mit seinen Helden auszog, um das Goldene Vlies zu gewinnen, wussten sie, dass sie einen Sänger brauchten, der ihre Geschichte erzählte. So holten sie Orpheus zu sich auf die Argo, das schnellste Schiff, das je gesegelt ist. Neben allen Wundern, die geschahen, und allen Heldentaten muss doch vermerkt sein ? ohne den Gesang des Orpheus wären sie alle verloren gewesen, denn nur er besänftigte das tobende Meer und übertönte den Lockruf der Sirenen.

Als sie siegreich zurückkehrten, ging er in seine Heimat Thrakien zurück, weit im Norden Griechenlandes, denn dort wartete jemand auf ihn. Die Menschen kennen sie als Nymphe, als Geist, der sterblich ist und doch viel mächtiger als ein Mensch es sein könnte; als ein Wesen, das zwischen den Welten wandelt und das Tod und Leben bringt, die Garou aber...", der Satz bleibt offen, sollen ihre Zuhörer sich selbst denken, was zu denken ist.

"Ihr Name war Eurydike - die weithin Richtende, und ihr Beiname Agriope - die mit dem wilden Gesicht. Sie war wild, wie sie schön war; ihr Wesen hatte Orpheus gelockt, viele Lieder über sie zu schreiben, aber seine Weisheit und seine Wortgewandtheit gewannen ihr Herz und ihre Liebe. Wie hätte es auch anders sein können? Ihr Schicksal war es, dass der Sohn Apolls ihr nicht widerstehen konnte. Doch "Schicksal" ist ein wankelmütiges Weib.

Kyrene war eine Nymphe wie Eurydike, doch viel wilder und viel unbeugsamer und von edelstem Blut; Schwert und Axt waren ihre Waffen und sie schützte die berühmten edlen Pferde, die ihr Vater Hypseus auf den grünen Weiden Laptiths grasen ließ. Mit bloßen Händen rang sie als Mädchen einen jungen Löwen nieder, der sich an ihren Schützlingen vergreifen wollte. Apollo, der gerade Pferde für seine Herden aussuchte, beobachtete den Kampf und entbrannte in Bewunderung für die schöne Kämpferin, und bald gebar sie ihm den Aristaios.
Auch Aristaios war Apollos Stolz, und als dessen Bruder Hermes kam, um den Jungen kennenzulernen - mit vorsichtigeren Worten als bei Kalliope, denn er kannte Kyrenes Temperament - da nahm Apollo Hermes besorgt beiseite. Denn der Gott der Hellsicht hatte gesehen, dass dem Jungen ein schlimmes Schicksal bevorstand: Er würde gewöhnlich sein. Ein normaler Sterblicher, ohne einen Funken der Göttlichkeit seines Vater oder eines Tropfens der Stärke seiner Mutter. Einen frühen Tod, ein tragisches Schicksal - all das hätte Apoll hinnehmen können, aber nicht Mittelmaß, und noch mehr als der Vater war es die Mutter, die dies nicht akzeptieren konnte.
Und so beauftragte der Gott der Weissagung den Trickster unter den Göttern, das Schicksal des Kindes zu ändern. Zu Thallo, Auxo und Karpo sollte Hermes den Jungen bringen, zu den Horen, den Göttinnen der Zeit. Denn die Moiren - die Göttinnen, die das Schicksal bemaßen, die bei den Wikingern Nornen hießen - ließen sich in ihren Webkünsten nicht gern beeinflussen. Die Horen aber waren Demeter untertan... und wenn sie ihren Lauf ein wenig änderten, so änderten sich die Sterne und die Moiren mussten ein anderes Schicksal vergeben.
Hermes versuchte seinem Bruder den Plan auszureden, doch Apoll ist stolz, und es war sein Sohn. Apollo sandte den Götterboten aus, die Worte zu überbringen, und Hermes folgte pflichtbewusst dem Willen seines älteren Bruders. Demeter gestattete ihm den Wunsch, die Horen änderten den Lauf der Sterne, die Sterne lesend änderten die Moiren das Schicksal und bemaßen das Lebensmuster neu und Hermes brachte den Jungen zu Gaia, die ihm Nektar auf die Lippen träufelte und ihn zu einem Gott machte statt zu einem Sterblichen. Gott der Imkerei und der Schafzucht Gott der Jagd und des Olivenbaus. Ein ländlicher Mann, der in seiner Heimat waltete und sich die Göttlichkeit zu verdienen suchte.
Der Liebe wegen ging er nach Theben, der großen Stadt, wo er die Königstochter heiratete und mit ihr drei Söhne hatte. Sein Lieblingssohn aber beobachtete Artemis beim Baden, und als die jungfräuliche Jägerin dies merkte, verwandelte sie ihn in einen Hirschen, der von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde.
Vielleicht war es dieses Schicksal, das ihn von seiner Frau entzweite. Er strich mehr und mehr durch die Länder... und eines Tages sah er Eurydike und begehrte sie. Es war ihr Schicksal, dass ein Sohn Apolls nicht von ihr lassen könnte.

Eurydike floh. Sie rannte davon und fast entkam sie, als Schmerz sie durchfuhr - sie blickte an sich herab und sah nun erst die Schlange, auf die sie getreten war. Fest hatte das sterbende Tier sich in ihr Bein verbissen und riss sie mit in den Tod. Aristaios, der sie erreichte, als sie zu Boden sank, flehte seinen Vater an, doch vergeblich. Die Heilkunst der Götter reichte nicht, um die Frau des Orpheus zu retten. Sie starb und wurde ein Schatten in Hades' Reich.

Als Orpheus seine Frau fand, war ihre Seele lang vergangen. Laut klagend rief er nach seinem Vater Apoll und nach seinem Onkel Hermes, und so erfuhr er, wie seine Frau gestorben war, um ihre Ehre zu retten. Hermes sah, wie sich die Fäden des Schicksals verändert hatten, und es gefiel ihm nicht - er hatte nichts gegen die Trickserei, doch Apollo hatte zuviel verlangt. Nun tröstete er Orpheus und besprach mit ihm einen Plan. Hades war alles andere als sein liebster Verwandter, und die Aussicht, ihm die Seele der schönen Nymphe zu stehlen, verlockte ihn ebenso sehr wie der Wunsch, seinem Neffen beizustehen.

Orpheus ergriff seine Laute und begann zu singen. Er folgte Hermes, der ihm den Weg zum Eingang des Hades zeigte, und spielte so lieblich, dass alles Leben innehielt. Als Hermes verschwunden war, sang er noch immer, und setzte mit dem Kahn des alten Charon auf die Seite der Toten über; aber er spielte so ergreifend, dass selbst der Alte seinen Nachen verließ und ihm folgte. Cerberus verstummte, um Orpheus zu lauschen und trottete ihm nach, brav wie ein Lamm, und die Verdammten hatten Ruhe von ihren Qualen, als Orpheus vor Hades und Persephone trat und nichts anderes tat als von seiner verlorenen Liebe zu singen. Persephone, die sich noch immer nach dem Leben sehnte, weinte bittere Tränen und flehte Hades an, Eurydike gehen zu lassen; und um ihretwillen ließ er sich erweichen. Er rief die Seele der Nymphe herbei, kaum mehr als ein Schatten, und doch erkannte Orpheus seine geliebte Frau. Doch noch durfte er sie nicht berühren, denn Leben und Tod sind getrennt auch im Reich des Todes. Oprheus durfte den Hades verlassen, und Eurydike durfte ihm folgen. Doch so blind, wie er seinem Lautenspiel vertraut hatte, als er nichts zu verlieren hatte, so blind musste er nun vertrauen, das war Hades Bedingung: Orpheus musste vorangehen und durfte sich nicht umdrehen.
Schritt um Schritt kehrten sie zurück. Sie folgte dem Spiel seiner Laute und sang leise dazu, ihre Stimme kaum mehr als ein Wispern, nur Wind in den Zweigen unsichtbarer Bäume, aber genug für seine Ohren. Sie überquerten die Bächlein, die alle in die Flüsse der Toten münden; sie stiegen hinauf und hinauf, dem noch ungesehenen Licht entgegen. Doch Hades hatte nicht vor, Eurydike gehen zu lassen und als sie eine Brücke überquerten, da legte er die Stille des Todes über sie. Direkt hinter Orpheus lief sie, doch dieser vernahm ihre Schritte nicht mehr. Zaghaft, dann voller Angst rief er ihren Namen, streckte er die Hand nach hinten, vergaß er das Lautenspiel, doch nichts - sie konnte ihn nicht berühren, und ihre Worte erreichten ihn nicht mehr, und zuletzt drehte er sich um, sah ihr Gesicht vor sich - und dann nimmermehr. Sie verblasste vor seinen Augen und verflog in die Schatten, und er wusste, dass sie für immer verloren war."

Vi löst sich aus ihrer eigenen Geschichte und kehrt zurück ins Hier und Jetzt. "Es gibt dieses Reich wirklich. Es gibt Garou, die hindurch mussten, ohne sich umzusehen; eine der schlimmsten Prüfungen, die man sich vorstellen kann. Und eine, die im Rudel besser zu bestehen ist."
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#32
Seit neue Welpen am Caern sind, erzählt Vi noch lieber Geschixhten. Sie singt oft oder pfeift oder summt zumindest die Melodie, aber ebenso gern erzählt sie. Sie freut sich über jeden Zuhörer, aber sie erzählt die Geschichten auch, wenn sie allein am Feuer sitzt. Schließlich sind immer Geister da, die ihr ein Publikum stellen.
Sei es mit einem Tee oder einem Southern Comfort in der Hand, oder auch während sie an etwas arbeitet - Vi freut sich, wenn man sie um eine Erzählung bittet.
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Vi reicht.
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#33
Die Lieder, die Vi oft singt, enthalten viele Sagen von Feen. Laut Vi kann man die Fae am besten beschreiben, wenn man Geschichten und Lieder über sie weitergibt. Eines davon, schwermütig und sanft, ist das Lied vom

Changeling Child
(Heather Dale)

The wind blows low and mournful through the Strath of Dalnacreich
Where once there lived a woman who would a mother be
For twelve long years a good man's wife but ne'er the cradle filled
Mother of a changeling child from 'neath the fairy hill

She traveled to the standing stones and crossed into the green
Where all the host of elven folk were dancing there unseen
Through the night she bargained with the Queen and fairies all
Who sent her home at dawning with a babe beneath her shawl

How their home was joyful with a son to call their own
But soon they saw the years that passed would never make him grow
The fairies would not answer her, the stones were dark and slept
A babe was all she'd asked for, and their promises they'd kept

The Wind blows low and mournful through the Strath of Dalnacreich
Where once there lived a woman who would a mother be
For fifty years she rocked that babe -- it's said she rocks him still
A mother of a changeling child from 'neath the fairy hill
A mother of a changeling child from 'neath the fairy hill

Lied: https://youtu.be/uqOqEU1xwxI
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Vi reicht.
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#34
Epische Lieder dürfen nicht fehlen.

Vier gegen Sieben
(Von Jana / von Echo of the Past)
Melodie: Heater Dale, Joan

Die Stunden war'n dunkel 
und Gaia war fern
in der Grube der Tänzer
die von Täuschung sich nähr'n 
doch Schatten vergeh'n 
wo ein Schattenlord tritt
der Alpha der Septe 
bringt drei Streiter mit 

Bridge:
Gaias Schwert - in der Hölle des Wyrm

Refrain:
Und sie stürmten nach vorne
die Klauen voran
sie war'n vier gegen sieben
kein Tänzer entrann
sie brachten den Feinden den Tod
doch sie leben fort




Minion of Levin 
scharf in Auge und Geist
das Kind des Blitzes
das die Feinde zerreißt 
der Heiler der Tänzer
wurde ihr Ziel 
bevor durch giftige 
Klauen sie fiel


Von hoch aus dem Norden 
kam Hatis Sicht
vom Feuer gesegnet
fürchtet er nichts
ein Nachfahr des Fenris
von Donner empfang'n 
mit zwei Tänzern als Beute
nach Walhalla gegang'n


"Auf des Schicksals Schwingen 
kam Dunkler Sturm 
Uktenas Tochter
im Vollmond geborn 
Sie folgte den Wegen 
die Morr'gan gebot
ihre Kiefer erwürgten 
den Gegner im Tod

Gaias Arm - bricht die Wurzeln des Wyrm 

Und sie stürmten nach vorne...


Klauen aus Silber
und Klauen aus Gift
so kämpften die Tänzer
eh das Richtschwert sie trifft
nur Bullet-Proof steht noch 
der Schnitter im Korn
keiner der Feinde
entkommt seinem Zorn 

Die Fänge des Wiesels 
und Morrigans Schrei
sie töteten sieben 
doch fielen auch drei 
Sie kämpften voll Ehre
voll Stärke und Mut 
treu bis zum Tode
gebadet in Blut 

Gaias Zorn - vernichtet den Wyrm

Und sie stürmten nach vorne, die Klauen voran...
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#35
Hört den Geschichten gerne zu, wenn es Ihre Zeit und Wache erlaubt. Und wenn einmal gerade eine solche Pause entsteht die gefüllt werden will fragt AD nach einer Geschichte.
"Am Feuer sollten alle Geister geehrt werden, heute wurde ich gern horen Geschichte zu Eule. 
Warum Athene und Eule verbunden. Eine schene Geschichte habe ich bisher dazu nicht gehort. Oder wie dein Rudel kommen zu Eule?"
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#36
Griechiche Sagen: Athene und die Eulen
(von Jana / von Echo of the Past)

Vi stellt ihr Glas ab, richtet sich auf und deklamiert mit tragender Stimme:


Als die Götter den Kampf gegen die Titanen gewonnen hatten
und diese im Staub der Erde lagen
da nahm Zeus, der Donnernde, die Herrschaft der Welt entgegen
und verteilte die Ehren mit Weisheit unter der ewigen Schar
Zeus nun, als König der Götter, erwählte als erste eine Gemahlin:
Metis, weise wie keiner der Götter und sterblichen Menschen

Als aber die Zeit kam, da sie gebären sollte, berückt er mit List und
schmeichelnder Rede ihr den Verstand und verschlang sie in seinen Leib
Wie Uranos ihn lehrte, der Sternenumglänzte, seines Vater Vater
Denn so riet er ihm: dass sein Sohn nicht die Macht von ihm nähme
wie er selbst von seinem Vater und dieser von dem seinen.
Metis war es beschieden, kluge Kinder zu zeugen,
zuvorderst Athene, die Kopfgeborene, die Drittgezeugte,
die mit dem Vater den Mut und den Rat, den bedächtigen, teilte
Darauf sollte Metis dann den Sohn gebären, der Menschen wie
der Götter König.

Vi nimmt ihr Glas wieder zur Hand.

„GZSZ, ich bleibe dabei. Uranos, der Himmel, ältester der Titanen, hatte mit der Erdenmutter Gaia viele Kinder gezeugt: zwölf Titanen, drei Zyklopen und drei Riesen. All diese Kinder hatte er im Tartaros eingesperrt, um Macht über sie zu behalten. Gaia befahl ihm, sie gehen zu lassen, und als er das nicht tat, schuf sie das Adamas, das unbezwingbare Metall, gab es ihren Kindern und der Titan Kronos entmachtete und entmannte seinen Vater. Drei Blutstropfen fielen auf Gaia, befruchteten sie und wurden zu den Erinnyen, den Giganten und den Nymphen. Sein Glied fiel ins Meer und befruchtete es und es gebar die Aphrodite, die älteste und mächtigste Göttin.
Uranos aber verfluchte Kronos‘ Linie, dass ihm dasselbe Schicksal widerfahren würde.
Und Kronos befreite die Titanen, die monsterhaften Zyklopen und Riesen aber ließ er unter der Erde versauern.

Kronos nahm seine Schwester Rhea zur Frau, denn sie war der Geist der Erde. Als Rhea schwanger wurde, verschlang er jedes Kind, das sie gebar. Hades und Poseidon, Hestia und Hera, und Demeter, sie alle fraß Kronos. Als Zeus aber geboren wurde, sucht Rhea bei Gaia Rat und reicht Kronos stattdessen einen Stein, in Windeln gewickelt. Kronos verschlang ihn mit einem Haps, bekam vermutlich Zahn- und sehr bald Magenschmerzen, denn Zeus wendet sich an Metis, die weise Tochter des Okeanos, die scharfsinnige, die immer klugen Rat findet. Es folgt die wohl aufregendste Jagd nach einem Brechmittel, das die Welt bis dato gesehen hatte. Zeus verabreicht seinem Vater das Mittel, und dieser speit erst den Stein und dann alle sechs Geschwister lebendig aus. Nicht, dass es damit entschieden gewesen wäre – nun entbrannte der Krieg zwischen den Göttern und den Titanen, und letztere waren in der Überzahl. Manche der Okeaniden aber waren für die Götter – die eine oder andere fand Poseidon halt sehr schick.
Und von Metis hatten wir es ja schon. Sie war es auch, die Zeus riet, auf Gaias Wunsch zu hören und die Riesen und die Zyklopen zu befreien – auch sie waren Gaias Kinder und sie würden die Seite der Götter stützen. Dazu musste Zeus aber erst in die Unterwelt herabsteigen und die Kampe besiegen, einen riesigen Drachen, der sich im Bauch des Tartaros wand: Ein Monster, geschaffen aus den Gedanken an all jene Schrecken, die noch kommen würden, ein Ungetüm aus tausenden Leibern, aus fünfzig verschiedenen Köpfen, eines wie die Sphinx, der nächste wie die Chimäre, der nächste wie die Skylla und die Charyptis, ein Kopf wie ein Meute wild kläffender Hunde; ein Körper wie ein doppelgestaltiges Mädchen, eine Hälfte tot und eine lebendig, statt der Haare ein Geflecht giftsprühender Schlangen, mit Klauen an den Händen wie Sicheln und ein riesiger Skorpionsschwanz… Aber Zeus besiegte es, befreite die Geschwister der Titanen und entschied den Krieg um die Welt für sich. Es war das dritte Zeitalter, und Zeus erfüllte damit die Prophezeiung, dass er seinen Vater entmachten würde.

Er nahm Metis zur Frau, was nach allem, was sie für ihn getan hatte, ja auch nur recht und billig war. Leider übernahm er auch die Paranoia seines Opas Uranos, der ihm mitteilte, dass es ja in der Familie läge, dass Söhne die Väter entmachteten. Dann kam noch ein Orakelspruch hinzu, dass Metis Zeus zwei Kinder schenken würde: Die Töchter würde ihm an Mut und an Schläue ebenbürtig sein, und das war ja nun wirklich nichts für ein Mädchen, und der Junge würde ihn sogar übertreffen, und da hörte alles auf. Also täuschte Zeus Metis und fraß sie mit Haut, Haaren und ungeborenen Kindern auf.
Sie aber hatte es geahnt. Metis war eine Titanin, Zeus fast ebenbürtig und klüger als er. Sie wusste, dass sie nur eines ihrer Kinder oder sich selbst retten konnte, und so gab sie ihr Herz ihrer Tochter und schob deren Leib aus Zeus‘ Magen heraus und in dessen Kopf, wo sie wuchs und wuchs, bis er sich selbst den Kopf spaltete, um den Schmerz zu lindern. Heraus sprang Athene – Galukopis, die Eulenäugige, Parthenos, die Jungfer, Promachos, die Vorauskämpfende, die in der ersten Reihe steht. Die Beschützerin, die Stadtgöttin, Herrin der Handwerker und Künstler. Und Pallas Athena.

Athene war klug und mutig. Ihre Freundin war Pallas, ihre Seelenschwester, mit der sie gemeinsam kämpfte und spielte. Eines Tages übten sie sich wieder im Kampf mit Schild und Speer und Schwert, als Zeus hinzukam. Er liebte seine Tochter, mehr als alle anderen Kinder, die ihm bisher geboren worden waren, denn in keinem anderen Kind fand er sich selbst so wieder. Nun bestaunte er das wilde Spiel, doch dann bekam er Angst. Bei einem wilden Hieb von Pallas warf er sich dazwischen und schlug Pallas mit dem Aigis, seinem Schild, aus dem Weg. Pallas wurde von Athene tödlich getroffen und starb.
An den Hängen der Akropolis suchte Athene weinend Linderung für ihren Schmerz. Sie traf auf Eule, die sie in Stille empfang. Athene kannte Klugheit und List, doch hier lernte sie Weisheit. Sie lernte über den Tod und das Leben, lernte ihre Wildheit und ihre Klugheit auszuwiegen. Als sie zurückkehrte, nannte sie sich Pallas Athena, um den Namen ihrer Freundin nie sterben zu lassen. Die eulenäugige Athene, die das Dunkel durchdringt, die die Finsternis nicht fürchtet, die scharfäugig jede List erkennt."

Sie hebt das Glas in Richtung AD und lächelt.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#37
Erfreut lächelt und mit dem heißen Becher prostend anwortet.
"Ich wußte nicht, dass Zeus einen Betrag zu dem Kampfausgang von Pallas und Athene hatte. Spasibo.
Und wie ist das nun mit den Suchern der Wahrheit, wie kamt Ihr zu Eule?" neugierig nachhakt
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#38
Vi schenkt sich nach und setzt sich dann bequemer hin, ein Bein unter sich unterschlagen. Es scheint eine längere Geschichte zu werden.
Die Kurzform ist: Ascheläufer hatte das Totem schon, und das habe ich dann übernommen. Aber das wäre wohl kaum der Epik angemessen, die wirklich dazu führte.

Um zu verstehen, wie die Sucher der Wahrheit zu Eule kamen, muss man die Geschichte des Rudels "Letzte Hoffnung" kennen. Und um das zu verstehen, muss man eigentlich wissen, wie der Caern der Löwengrube zurückerobert wurde, nachdem er das letzte Mal fast in die Hände des Wyrm gefallen wäre. Eine Geschichte, in der Lord Constantin Carrington, vor Garou und Geistern bekannt als Bloodspiller, Fostern Ahroun der Silberfänge und Träger einer Klaive, eine Gruppe von Cliaths und sogar Welpen um sich scharte, um dem bedrohten Caern zu Hilfe zu eilen. Ein Kampf, der einen hohen Preis forderte, und Bloodspiller in den Tod riss. Überlebende des Kampfes waren unter anderem die Schwester von Bloodspiller, eine vollmondgeborene Silberfang namens Alexis, die ihren Tatennamen bekannte und ab dort als Schwesterträne bekannt wurde, ihre beste Freundin Romina, eine Dreiviertelmond der Fianna, fürdahin Übersteht das Gewitter, und ein Welpe der Stillen Wanderer, der bis zu diesem Zeitpunkt schon die halbe Welt umreist und nun gegen Wyrm und einen Dämon gekämpft und überlebt hatte, aber der erst nach einer weiteren Prüfung seinen Namen erhalten sollte, weil irgendwer der Meinung war, dass diese bisherigen Taten für einen Galliarden der Strider  ja quasi nur Basis-Repertoire sein könnten. Weshalb er erst noch einen Totengeist und einen Vampir erledigte, ehe er Ascheläufer wurde."

Man hört den Sarkasmus dabei durchaus deutlich heraus. Klar, zwei epische Taten, für die andere den Fostern bekommen hätten, reichen natürlich nicht. Aber sie wandelt das für sich, ist ja nur logisch: Ascheläufer ist halt unglaublich badass, der legt eben noch ne Schippe drauf. Und deshalb kehrt sie sofort zu ihrem dunklen, ruhigen Geschichtenerzähler-Tonfall zurück.

"Der Caern der Löwengrube wurde gerettet in jenem epischen Kampf, der eine eigene Geschichte verdient, und bald darauf erfuhren die Garou, dass Bloodspillers Seele nicht im Heimatland seiner Ahnen eingetroffen war. Irgendetwas hielt ihn zurück, ließ ihn den Weg nicht finden und seine Seele drohte zerrieben zu werden - ein Schicksal, das mindetens bedeutete, dass am Tag der letzten Schlacht ein Krieger fehlen würde, das aber auch Auswirkungen auf all seine Nachkommen und die Linien seiner Familie haben könnte. Und nicht nur deshalb beschloss Schwesterträne, dass sie die Seele ihres Bruder finden und selbst ins Heimatland bringen musste. Eine Tat wie diese kann kein Garou allein bestehen, erst recht nicht eine junge Cliath. Ihre Seelenschwester, Romina übersteht das Gewitter, war sofort an ihrer Seite, und auch drei weitere: Ascheläufer, dazu Streitet mit Geistern, ein Theurge der Schattenlords, und Datenfang, Philodox der Glaswandler. Sie wurden die Letzte Hoffnung und unter Eules Schwingen zogen sie aus, um eine Reise durch die Umbrareiche bis hin zu den Reichen des Todes zu wagen, wo sie die Seele bargen und an die Klaive Silverdust banden, die Bloodspiller gehörte und die nun Schwesterträne trug. Eine Reise, von der sie siegreich zurückkehrten, die noch eine zweite Reise erforderte und einen Kampf mit einem wahrhaft bösartigen Rudel Tänzer und die zum Tod von Übersteht das Gewitter, Streitet mit Geistern und den beiden Adren Sieht mit Tausend Augen und Kennt die Schlange führte. Aber auch das ist eine eigene Geschichte..."
Sie schmunzelt leicht, als sie diesen nächsten Cliffhanger ankündigt. So viele Geschichten, die zu erzählen sind! 

Der nächste Part ist erst einmal nüchterner. 
"Die Letzte Hoffnung war zurückgekehrt, die Aufgabe nach Jahren erfüllt. Schwesterträne forderte ihren Fostern und die Führung über die Löwengrube und es war klar, dass diese drei Garou kein gemeinsames Rudel mehr bilden würden. Ascheläufer und Eule hatten immer das engste Verhältnis im Rudel gehabt, und so blieb Eule bei ihm. Als ich meinen Rang machte und meinen Namen bekam, forderten alle drei mich in ihr jeweiliges Rudel - die Alpha, mein ehemaliger Vater des Baus und mein Mentor. Ich hatte allerdings bereits Ascheläufer mein Wort gegeben, dass ich ihm beistehen würde bei der Quest, die auf ihn zukommen würde: Am Samhainabend war ihm sein Vater erschienen, ein Blutsverwandter der Stillen Wanderer, und hatte ihn gewarnt, dass das Monster, das ihn vor so vielen Jahren getötet hatte, immer noch sein Unwesen trieb. Ascheläufer hatte geschworen, sich der Sache anzunehmen. Und andererseits hatte eine Erscheinung mir zur selben Stunde mitgeteilt, dass meine Mutter noch lebte - und Ascheläufer hatte mir versprochen, dass er mich unterstützen würde, sie zu finden. Also war unsere Entscheidung gefallen, und Eule, ein ohnehin schon starker Geist, genährt von Geschichten und dem Ruhm, zu dem sie ihr Rudel geführt hatte, war ein Geist, der unsere Questen unterstützen konnte: Eine Suche im Ungewissen, eine Reise um die halbe Welt, die Mysterien aufzuklären, mit denen Leben und Tod und Untot hier verbunden waren... Wir wählten Eule, und Eule wählte uns, vor über 12 Jahren."

Langsam trägt ihre Stimme wieder mehr Spannung, mehr Drama mit sich, aber auch mehr Stolz und Freude über diesen Pakt und die Taten: 
"Und gerade zur rechten Zeit, denn kurz darauf wurde ich sowohl zur Großen Jagd auserwählt, bei der es einen Sonnendämon zu besiegen galt, der trotz seiner Zerstörung nichts Geringeres schaffte, als das Gefüge zwischen Umbra und Tellurischem zu verdrehen, so dass es in den hiesigen Breiten am Tag auch in der Umbra hell ist, was vorher nicht der Fall war - eine Queste, für die ich dankbar war, Eules Schutz zu haben; und kurz darauf verwickelte mich der Geist des Roten Milan in eine Aufgabe, die mich nach Manchester führte, und auch so eine Reise ist besser zu überstehen, wenn man unter Eule läuft; und als ich zurückkam, wurde ich noch am selben Tag auf eine Schwelgerei einberufen, in der Schwesterträne uns in die Labore von Magadon führte... Als Cliath hat man halt alle Hände voll zu tun", meint sie mit einem Schmunzeln. "Ascheläufer hütete in dieser Zeit die Burg Leonrod, deren Wichtigkeit sich uns im zweiten Teil der Rettung von Bloodspillers Seele offenbart hatte, übernahm die Klaive Trailbiter und barg eine legendäre Blume aus der Umbra, die den Caern gewaltig stärkte, und wurde somit Foster. Er hatte also vermutlich noch weit mehr zu tun als ich."

Ihre Stimme ist inzwischen weich und warm. Diese Erinnerungen sind eindeutig glückliche.
"Wie gut, dass wir kurz darauf Verstärkung bekamen: Ein Theurge der Uktena namens Flamme der Geister, der sich uns zu Samhain anschloss, ein Jahr nach diesen Umstürzen in unserer Septe, und ein junger Welpe namens Nat, den drei wir vom Fleck weg im Rudel haben wollten, wogegen Eule allerdings protestierte - was auf uns zukommen würde war zu gefährlich für einen Welpen. Damals habe ich getobt. Im Nachhinein... jaaa, Eule ist ein Totem der Weisheit", endet sie mit Humor. 
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#39
Im Laufe der Zeit hat Killswitch sich dazu gesellt. „Ist klar dass das nicht so ist, und das eure Verbindung viel tiefer geht. Aber so von den Anfängen her wärt ihr Sucher doch auch etwas, was man als Beispiel für ein Rudel nehmen könnte, was sich für bestimmte Aufgaben zusammen gefunden hat oder? Ich suche da halt noch nach Beispielen die man anführen kann. So als Gegenpart zu den ‚Rudel ist gleich Familie‘ Exemplaren. Vielleicht hast du da auch eine bessere Geschichte zu?“
Killswitch, Galliarde der Fianna, Als Mensch geboren, Cliath im Rang. Hüter der Landes und Mitglied der Troubleshooter. (RR 1)
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#40
"Die Letzte Hoffnung war eindeutig ein Rudel, das aus einem Tweck heraus entstanden ist. Selbst wenn Romina und Victor - Übersteht das Gewitter und Streitet mit Geistern - nicht gestorben wären, hätten sie sich aufgelöst." Aufmerksame Zuhörer mögen den Unterschied in der Formulierung bemerken, dass Vi nicht sagt, dass die beiden gefallen sind.

"In vielen Punkten waren sie zu unterschiedlich, um langfristig stabil zu sein. Sie hatten davor genug erlebt, um das Vertrauen in einander zu haben, um ein Rudel zu bilden, und ebenso genug Zuneigung, im Großen und Ganzen, aber es war eben nicht genug... Kitt da, um die Unterschiede dauerhaft zu überbrücken.
Ein weiteres Rudel, das quasi-zweckgebunden entstanden war, war die Todestreue im Schlachtenzorn: Ein Rudel, das nur Ahriun aufnahm, und das unter Erdbeben lief. Kampf war ihr Zweck. Aber nur Ahroun in einem Rudel, auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Stämmen kommen, nimmt den Garou einen der wichtigsten Vorteile, die wir haben: die Diversität. Klar, wir haben auch viele Rudel, die sich aus Garou von nur einem Stamm bilden, aber dennoch..  das war schon.. beschränkt. In den Möglichkeiten."

Sie überlegt einen Moment nach weiteren Rudeln, die zweckgebunden waren.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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