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Geschichten am Feuer
#21
"Ihr habt schon viel über die Fae gehört, über die Cousins meines Volkes, die Kinder des Traumes. Und sie sind wirklich wie Träume: So wunderschön, dass man nicht erwachen möchte; so gnadenvoll, wenn sie uns mit denen zusammenbringen, die wir verloren haben; so fern von aller Last und allem Schmerz. Aber wer je geträumt hat weiß, wie grausam Träume sein können; dass sie uns mit klopfendem Herzen und schweißgebadet zurücklassen, oder uns mit verzehrender Sehnsucht füllen, oder uns nicht aufwachen lassen, und uns verdammen, den Ausweg aus unserem eigenen Traumbild zu finden.

Kein Fae kann je mit Worten richtig gezeichnet werden, und noch weniger mit den kalten Worten, die wir nutzen, wenn wir die Dinge beschreiben, die um uns herum sind. Nur in Geschichten können wir sie darstellen, und es heißt, es sei die einzige Form, die sie nicht erbost.

Kommt. Ich erzähle euch eine Geschichte, die euch warnen soll. Eine Geschichte über eine der dunkelsten Feen - und über eine Legende der Fianna."
Sie nimmt einen Schluck aus ihrem Becher, ehe sie mit klarer Stimme zu sprechen beginnt.



Eibenlaub
(von Jana / erzählt von Echo of the Past)


Niemand erinnert sich mehr, wann Eibenlaub geboren wurde, wessen Tochter sie war oder welchen Namen sie trug. Niemand erinnert sich mehr, aus welcher Grafschaft sie stammt oder wem sie diente. Man erinnert sich nur noch ihrer Schönheit, und manche erinnern sich ihrer Geschichte. Einer Geschichte, wie sie wispernd erzählt wird in den Brachmondnächten, wenn der Mond rot über dem Horizont steht und die Nacht in kalte Flammen setzt. Wenn die Stoppeln auf den Feldern sich wie tote Hände zum Himmel recken, und kein Wind über die Ebenen geht.
Es ist lange und länger her, darin sind sich die Galliarden einig, dass Eibenlaub geboren wurde. Manche sprechen von der Zeit des Impergiums, manche sagen, sie erlebte seinen Beginn, manche, sie habe seinen Niedergang gesehen.

Eibenlaub war Seherin der Fianna, geboren unter einem Sichelmond so scharf wie später ihr Verstand, so weiß wie ihre Haut, in einer Nacht so seidig schwarz wie ihr Haar, das so glatt war wie ein windloser See. Man sagt, ehrenhafte Garou hätten nach ihrem Anblick den Tod in der Schlacht gesucht, weil dies der einzige Weg war, ihr Herz von der Sehnsucht nach ihr zu befreien.
Eibenlaub selbst jedoch liebte nur die Welt hinter der Welt, die Umbra und all ihre Reiche. Die Geister von Zorn und Schmerz waren ihr ebenso vertraut wie die Geister von Liebe und Gnade, und mit jedem sprach sie und jeden konnte sie versöhnen und zu einem Handel bewegen. Sie sang zu ihnen oder feilschte, focht mit ihnen oder schwieg wartend, wenn es der Geist verlangte. Sie war Heilerin der Geister wie der Welten, und die Kunde von ihrem Können drang durch die Welt. Sie jedoch sollte es nicht kümmern, solange sie nur in der Umbra sein konnte.
Eines Nachts aber begann sie zu träumen. Sie träumte von fernen Plätzen, von Welten, die sie noch nie bereist hatte. So schön waren diese Welten, dass selbst die Umbra schal und leer schien. Nacht um Nacht träumte sie und verzehrte sich so sehr nach diesen Orten, dass sie vor Kummer aufhörte zu essen. Jeden Galliarden, jeden Seher, jeden Weisen der Blutgeschwister ließ sie kommen, um sich berichten zu lassen, wovon sie träumte. Einhundertfünzig Tage vergingen, da kam endlich ein Kind zu ihr, ein kleiner sommersprossiger Knabe mit Haar wie Flammen, der sich als ihr Vetter vorstellte. Eibenlaub war klug, und sie erkannte ihn als einen des schönen Volkes. Da begriff sie, dass ihre Nachtbilder das Land der Träumenden zeigten, der Feen, die ihrem Blut verwandt waren. Sie flehte, sie bat, sie bettelte, sie drohte, er möge ihr den Weg dorthin zeigen - sie müsse es sehen, oder sterben. Der Knabe sprach sehr erwachsen von den Gefahren, die ihr drohten, von der Weite der Reise und von den Hindernissen, doch Eibenlaub war entbrannt.
Also versprach er, sie zu lehren, was sie wissen musste, um in dieses Land zu gelangen. Dafür solle sie ihm etwas schenken, was noch nie einem anderen geschenkt worden war.

Sie löste sein Rätsel, und er hielt Wort. Drei mal drei mal drei Tage und Nächte lang lehrte er sie, und am Abend des letzten Tages verschwand er ohne ein Wort. Eibenlaub nahm ihren Stab und ging, und ihre Reise war lang und beschwerlich, doch letztlich erreichte sie ihr Ziel.
So schön war diese Welt, die wahre Welt der Träumenden, dass sie sich nicht sattsehen konnte daran. Wie die Jahreszeiten verflogen die Anblicke, die sich ihr boten, einer schöner und fremder als der vorherige, mit Höfen und Palästen des Schönen Volkes, die feierten und sangen und lachten und fröhlich waren. Und als wäre sie immer eine der ihren gewesen, nahmen sie ihre Base in ihre Mitte und ließen sie teilhaben an ihren Speisen und an allen Festen. Auf jede Burg und in jeden Palast wurde sie eingeladen, hörte Lieder von vollkommener Schönheit und sah Tapferkeit ohne jeden Makel, Handwerk, das Perfektion gefunden hatte und Schönheit überall. So genoss sie den Frühling, und erhaschte einen Ausblick auf den Winter, sorgenvoll und kalt, um in den Sommer zu tanzen. An der Grenze zum Sommer jedoch war das Land des Herbstes, dort, wo die Blätter sich in sattes Gold wandelten, wo taubenetzte Spinnenweben im Frühnebel funkelten wie Diamanten und Stürme in den Wipfeln spielten. Gerade als sie den schlanken Fuß hinübersetzen wollte, um dieses Land zu erkunden, ergriff jemand ihre Hand.

"Schönste", sagte er mit sanfter Stimme, "betretet nicht dieses Land. Es bringt Euch nur Kummer und Leid, und zu schön sind Eure Augen, als dass sie solchen Schmerz kennen sollten." Eibenlaub wandte sich um, doch schon war der Fremde verschwunden. Da hörte sie auch schon das Lachen des Frühlings, und sie vergaß den Herbst und kehrte zurück an den Hof der Feen, die ihr alles kredenzten, was ihr Herz begehrte.
Bald aber kam die Zeit, da sie sich nach dem neuen Land sehnte, dem Reich des Herbstes, und so stahl sie sich davon. Die Sonne versank gerade und seidig legte sich das rote Tuch der Nacht über den Himmel, als sie den Fuß ausstreckte, um über die Grenze zu schreiten, da hielt sie wieder jemand fest.

"Teuerste", sagte er mit sanfter, fester Stimme, "betretet nicht dieses Land. Es birgt nur Gefahr und Angst für Euch, und zu schön sind Eure Augen, als dass sie solche Furcht kennen sollten." Doch als Eibenlaub sich umwandte, war er wieder fort, und wieder betrat sie nicht das Land des Herbstes, sondern kehrte zurück.

Eines Nachts aber überkam sie unstillbare Sehnsucht nach dem Land, und sie verließ ihr Schlafgemach. Im Morgengrauen ging sie zur Grenze des Landes, und wie sie den Fuß ausstreckte, da spürte sie die Hand, die sie zurückhielt. "Liebste", sagte der Fremde bedrückt, "betretet nicht dieses Land. Ihr werdet Euch verlieren, wenn Ihr dorthin geht und dort verweilt, und niemals werdet Ihr mehr zurückkehren."
"Dann werdet Ihr mit mir kommen, edler Herr", antwortete sie ihm, und als sie sich umdrehte, da konnte er ihr nicht entkommen, denn sie hatte ihren Arm mit Feenhonig bestrichen, und so fest klebten seine Finger, dass er sie nicht von ihr lösen konnte. Wie sie sich aber umwandte, stand vor ihr der edelste Ritter, den ein sterbliches Auge je erblickt hatte, mit einer Rüstung feind wie Spinnenweben und doch vollendetes Handwerk, so stark, dass kein Troll es hätte zerreißen können, und an seiner Seite ein prachtvolles Schwert. "Wenn dies Euer Wunsch ist, Geliebte, dann werde ich Euer ergebenster Diener sein", schwor er ihr. Sie aber befreite ihn von dem Honig, indem sie Finger um Finger freiküsste, und als er vor ihr auf das Knie fiel, nahm sie ihm keinen Eid ab, sondern bat um sein Geleit. Auch sagte sie ihm, dass sie ihm folgen würde, wenn er sie bitten würde, mit an den Hof des Frühlings zurückzukehren, so sehr war sie ihm in Liebe verfallen.
Und er bat sie darum, niemals den Wald des Herbstes zu betreten, und sie versprach es ihm. Sie blieben im Land des Frühlings, und dort lebten sie glücklich, und sie schenkte ihm ihr Herz, wie er ihr das seine schenkte.

Doch eines Tages, als Eibenlaub im Wald spazieren ging, sah sie ein Kind verletzt liegen. Sie rannte zu ihm und kniete bei ihm nieder, da hörte sie das Laub rascheln und niedergehen, und es fiel wie sanfter Goldregen auf sie herab. Das Kind in ihren Armen aber verdorrte zu einem Leichnam, und Raben stiegen lachend von den kahlen Bäumen auf. Da bekam sie es mit der Angst zu tun und wollte das Reich des Herbstes schnell wieder verlassen, doch Wächter hatten sich um sie geschart. Wortlos ergriffen sie sie und schleppten sie davon, tief in den Wald hinein und über brache Felder, bis hinunter zu einem prachtvollen Palast am Rande einer Klippe. So tief war die Schlucht, dass Wolken ihren Abgrund verbargen, als Eibenlaub daran vorbeigeführt wurde.

In diesem Palast aber saß eine Königin, prachtvoll wie all ihre Schwestern, doch in ein Gewand aus schwarz und rot gekleidet, rot wie Blut und schaler Wein zugleich, und rot wie der Rost verstorbener Klingen. Zu ihrer rechten kniete ein Ritter, noch feiner und edler als ihr Gatte, und zu ihren Füßen und im ganzen Palast waren Hofdamen, eine schöner als die andere, manche verborgen in den Schatten, manche funkelnd im Glanz ihrer Herrin. Die Königin aber war gestreng, und ihre Stimme war wie Silber und kaltes Eisen, und unter ihrem Fuß kniete ein zweiter Ritter, und das war ihr Gemahl. Als Eibenlaub aber zu ihm eilen wollte, da waren ihre Füße im Stein des Bodens verschmolzen, miteinander verwachsen wie ein Baumstamm, und ihre Zehen waren zu Wurzeln geworden und ihre Hände zu grünem, weichen Nadeln. Die Königin aber würdigte sie keines Blickes, sondern sprach: "So kehrst du also zurück zu mir, mein Sommerritter, du, der du mich schützen solltest. Mein Wachhund, mein Bluthund, und er wird untreu wegen einer läufigen Wölfin. Doch ich dulde keine Wölfe in meinem Wald, wenn sie mir keinen Spaß bereiten." Und sie zwang ihn, zu ihr zu sehen, und sie gab ein Geheiß, Eibenlaub in ein Halsband und eine schwere Kette aus Silber zu legen, das auf ihrer Haut brannte, doch sie konnte sich nicht rühren. "Wir wollen die Hunde ihre Witterung aufnehmen lassen", verkündete sie. Da löste sich der Zauber auf ihrem Körper, und die Bediensteten packten sie und unter Johlen und Gelächter zerrten sie sie hinaus. Sie zerrissen ihre Kleider und warfen sie in die Schlucht, und stürzten sie selbst hinterher. Ihr Geliebter rannte ihr nach und wollte sie hochziehen, da wurde er zu Stein und musste als Wasserspeier hinunterschauen und zusehen, wie seine Gefährtin dort hin, mit nichts als einem Halsband von Silber am Hals, an dessen Kette sie baumelte.

Die Feen des Hofes aber feierten und lachten, und als es Nacht wurde, zogen sie EIbenlaub herauf und taten ihr Gewalt an, nur um sie bei Sonnenaufgang wieder hinunterzuwerfen. Drei Tage und drei Nächte ging das so, ehe die Königin sie beide holen ließ. "Meine Hunde haben deine Fährte, Wolf", verkündete sie, "und jetzt sollen sie jagen. Aber wenn ihr möchtet, kannst du auch hier sterben, schmerzlos und schnell, und dein Geliebter wird deinen Platz einnehmen. Ein Wort von euch genügt, und es geschieht." Sie lächelte, als sie es sagte, und Eibenlaub sah die Bosheit in ihren Augen. Sie sah zu ihrem Geliebten und wusste, dass er für sie sterben würde, doch sein Lippen waren zusammengeschmolzen wie Wachs in der Flamme, so dass er kein Wort herausbringen konnte. Doch in seinen Augen erkannte sie, dass er für sie sterben wollte; doch ebenso wollte sie für ihn sterben und ihn nicht den Hunden überlassen, die ihn zerreißen würden.

"Tötet mich", sagte sie da, fest und entschlossen. "Tötet mich, und lasst ihn leben."
Die Königin lachte, ein furchtbarer und grausamer Laut, so schön und verdorben war es zugleich. "Dann werde ich dir deinen Wunsch erfüllen. Dann werde ich dich töten", sagte sie. "Aber ich habe nie gesagt, dass ich ihn verschone, Kind." Und mit diesem Wort griff sie nach Eibenlaub und riss ihr das Herz aus dem Leib.
Furchtbarer Schmerz überkam sie, und sie fiel zu Boden, doch ihre Pein war keine des Körpers. "Was ist das?!", rief die Feenkönigin, und warf das blau blutende Herz zu Boden. Sie wandte sich um, doch Eibenlaubs Geliebter lag tot auf dem Steinboden und regte sich nicht mehr. Wutentbrannt zerquetschte sie das Herz unter ihrem schlanken Fuß und verfluchte ihren Sommerritter, der es gewagt hatte, sein Herz einer anderen zu schenken.
Da packte die Königin Eibenlaub und riss sie hoch. "Du trägst das Herz eines Fee in dir", zischte sie, "und das Herz eines Fianna liegt zertreten dort am Boden. Das soll dein Fluch sein, die Strafe für deine Tat!" Und sie sprach es und hieß ihre Wachen, Eibenlaub fortzubringen, weit fort hinter die Grenzen des Reiches.

Tatsächlich kehrte Eibenlaub in die Umbra zurück.
Tagelang brannten Tränen hinter ihren Augen, doch sie wollten nicht herauskommen. Tagelang wollte sie weinen, doch sie konnte nicht. Dann versiegten die Tränen und die Trauer, wie auch der Zorn, der Schmerz, die Angst und die Furcht. Und keine Freude kam hinzu, kein Glück, keine Dankbarkeit. Nur die Erinnerung an all diese Gefühle blieb.
So verstrichen die Jahre und die Jahrzehnte, doch auch als Eibenlaub in das Tellurische zurückkehrte und sich umsah, verging die Zeit ohne Spuren an ihr zu hinterlassen. Während alles starb, alterte sie nicht, und während alle Fianna die Freunden und das Leid kannten, empfand sie nichts davon.

Zeitalter starben, doch sie lebte weiter.

Sie durchstreifte die Welten, und das tut sie noch heute, dort erscheinend, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Niemand erinnert sich mehr ihres Namens, ihrer Geburt oder ihrer Familie, und die wenigsten kennen ihren Namen.
Doch wenn du einst eine Frau trifft, schön wie der Tag und mit Haar wie die Nacht und die Weisheit der Ewigkeit in ihren Augen, dann erinnere dich des Namens Eibenlaub und sie wird sich dir nicht verwehren.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#22
Donnervogel
(von Milena / erzählt von Hält den Sturm zurück)


"Vor langer Zeit war die Erde kalt und die Tierwelt hatte ihre Felle und Federn sehr nötig, um sich warm zu halten. Als der Donnervogel sah, wie kalt und unfreundlich die Erde war, bemerkte er, dass es so nicht gut war, also sendete er einen Blitzstrahl hinab. Dieser Blitzstrahl setzte einen Baum auf einer Insel in Brand.
Der Stamm brannte wie eine Fackel und alle Tiere sahen zu und freuten sich über das Licht und die Wärme. Die Tiere fragten sich, wie sie das Feuer von der Insel zum Festland bringen könnten? Die Tiere versammelten sich und hielten Rat, ein jedes von ihnen wollte helfen.

Als erstes meldete sich der Rabe und sprach: "Das Beste wird sein, ich fliege zur Insel rüber und bringe etwas von dem Feuer mit." Kaum gesagt schon getan.
Der Rabe flog hin zur Insel und versuchte, das Feuer zu holen, aber zurück kam er verbrannt und verängstigt ohne das Feuer. Seit diesem Tag ist der Rabe schwarz!

Die kleine Eule versuchte es als nächstes, sie kam wohlbehalten bis zu dem Baum, aber als sie in den brennenden hohlen Stamm hineinschaute, schlug ihr Glut und Rauch ins Gesicht und verbrannte ihr beinah die Augen. Seitdem sind ihre Augen rot und blinzeln bei grellem Licht.

Die Schlange wollte besonders schlau sein, sie schwamm zur Insel, kroch vorsichtig durch das Unterholz und fand ein Loch am Fuße des Baumes. Sie kroch hinein und hoffte, dass sie ein wenig Glut davontragen könne. Aber im Innern des brennenden Baumes war es so heiß, dass die Schlange befürchtete zu ersticken oder gar zu verbrennen. Also schnellte sie wieder rasch zu dem Loch zurück und schlüpfte ins Freie. Die Tiere waren verzweifelt, da es der Schlange auch nicht gelungen war, das Feuer zu holen. Keines der Tiere wagte sich in die Nähe des brennenden Baumes und immer noch war die Erde kalt und unfreundlich.

Da meldete sich die schwarzrot gestreifte Wasserspinne und bat, einen Versuch starten zu dürfen. Sie webte eine kleine Schüssel und befestigte sie auf ihrem Rücken, dann lief sie über das Wasser zur Insel und zog ein kleines Stück glühender Holzkohle aus dem Baum. Danach lief sie eilig wieder über das Wasser zurück zum Festland und brachte den Tieren das Feuer!"
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Vi reicht.
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#23
Programmierkönig - für Cyberghost
(gemodded von Milena / Hält den Sturm zurück)

"Wer tastet sich nachts die Finger klamm?
Es ist der Programmierer mit seinem Programm!
Er sucht und klickt, er tastet schnell,
im Osten wird schon der Himmel hell.
Sein Haar ist ergraut, seine Hände zittern
vom unablässigen RAMspeicherfüttern.

Da - aus dem Speicher ertönt ein Geflüster,
"Wer poltert in meinem Basisregister?"
Nur ruhig, nur ruhig, ihr lieben Bits,
es ist doch nur ein kleiner Witz.

Mein Meister, mein Meister, sieh mal dort!
Da vorne schleicht sich ein Verzeichnis fort!
Bleib ruhig, bleib ruhig, mein liebes Kind,
Ich hole es wieder. Ganz bestimmt.

Mein Meister, mein Meister, hörst Du das Grollen?
Die wilden Bits durch das Extended tollen!
Nur ruhig, nur ruhig, das haben wir gleich,
die sperren wir in den Pufferbereich.

Er tastet und proggt wie besessen,
Scheiße - jetzt hat er zu saven vergessen,
der Programmierer schreit in höchster Qual,
da zuckt durch das Fenster ein Sonnenstrahl.
Der Bildschirm schimmert im Morgenrot,
Programm gestorben, der Programmierer ist fort!"
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Vi reicht.
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#24
Dörchnanner
(von Daniel / von Speaks With Passion)


Der Krieger Mut, er soll uns leiten,
ihr Opfer soll uns Ansporn sein.
Erinnerung wird uns begleiten,
gedenken hier im Feuerschein.

In Andacht soll sich Licht entzünden,
die Verse sollen Taten künden.
Von Heldenopfer, Tapferkeit,
erinnert für die Ewigkeit.

Es nahte Sturm, am Horizont droht die Gefahr,
entschlossen zur Schlacht, zog aus die Schar.
Mit starker Hand, der Elbe Flut zu brechen,
Eichenarms Wahnsinn und Verrat zu rächen.

Doch so mancher kehrte nie zurück,
die dort Seit an Seite, bei uns war`n.
Erinnert euch an jene Wölfe,
die der grimme Feind uns nahm.
So hört die Namen der Helden besungen,
die tapfer das Chaos der Insel bezwungen.
Ein Halbmond fiel, durch Feindes List,
doch tapfer kämpfend gefallen ist.
Ein Kind der Straße, Stille Post,
Erinnerung bleibt und spendet Trost **

Spricht für die Ungehörten war einer genannt,
für Mut und heilende Hand bekannt.
Kämpfte mit Stärke und Leidenschaft,
im Tode Gaia den Dienst erbracht.


Rupert, Fiann, unterm Vollmond geboren,
vom Schicksal gezeichnet, zu sterben erkoren.
Mit Kraft so manchen der Feinde gefällt,
gepriesen, besungen von nun an als Held.
Wacher Blick, der stolze Silberfang,
aus edler Sippe, ein Theurge von Rang.
Blitzende Pfeile, Feinden den Tod gebracht,
preist diesen Streiter der Dodenwacht.

Bullet-Proof, der große Krieger,
noch im Tode blieb er Schlachtensieger.
Der Vollmond vergoss sein Lebensblut,
eiserner Wille bezwang die Flut.

Scharfe Zunge sticht ins Herz, er preschte nach vorn,
der Schattenlord mit gar mächtigem Zorn.
Im letzten Kampf das Leben gegeben,
der Sieg über den Feind, sein ganzes Streben.

Der Krieger Mut, er soll uns leiten,
ihr Opfer soll uns Ansporn sein.
Erinnerung wird uns begleiten,
gedenken hier im Feuerschein.


**Vi lässt diese Strophe fast immer aus. Vermutlich ist sie in der Dodenwacht daher wenig bekannt.
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Vi reicht.
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#25
Das Geben der Namen
(nach White Wolf / erzählt von Jana / erzählt von Echo of the Past)

"Wir sind ein großes Volk und sehr, sehr alt. Also bring Zeit mit... es ist nicht eine Geschichte, sondern viele." Sie grinst kurz und fällt aus der sanften Geschichtererzählerstimme wieder in den ironische Tonfall, den sie sonst hat: "Also, ich hoffe, du bist nicht auf der Suche nach der 'einen Wahrheit des Universums', die gibt's bei den alten Mönchen auf dem hohen, hohen Berg. Hier gibt's nur Unterhaltung und Inneren Frieden."

"Also..." Sie verfällt wieder in den ruhigen Tonfall der Geschichtenerzähler-Vi.


"Als Gaia die Welt erschuf - erträumte, wie manche sagen - da war jeder Gedanke von ihr frei. Es gab keine Geister, nur mächtige Wesen. Jeder war alles, und alles war eines. Ein Wesen war in einem Moment zornig, im nächsten friedvoll, war endlich, war sterblich, war ewig. Es gab keine Grenzen... aber auch keine Struktur. Es konnte nichts leben, weil nichts wurde, nichts war und nichts verging. So träumte Gaia die Namen der Wesen. Die ersten, die sie benannte, waren die Triade - Wyld, Weber und Wyrm, damit diese ihr halfen, der Welt eine Ordnung zu geben. Dann träumte sie Helios und Luna, die Lichter von Tag und Nacht, ähnlich und doch grundverschieden, denn Luna wandelt sich stets, während Helios immer gleich bleibt. Und sie träumte Phönix, die Hoffnung, die über den Tod sieht.... Und Gaia spazierte, tanzte durch ihre Schöpfung, und gab den Wesen Namen. Sie nannte ein Wesen "Baum" - und es wurde groß und fest, standhaft und an den immergleichen Fleck gebunden, alt und zugleich immer jung, mit Holz, das Nahrung ist für Tiere, Pflanzen und Feuer, mit Blättern, die Schatten spenden und Wurzeln, die Heimat sind. Sie nannte ein Wesen "Angst", und das war es, was es wurde: Angst, die uns am Leben hält, Angst, die uns zittern und erstarren, die uns rennen und fliehen, die uns unsere Handlungen überdenken ließ.
Manche Wesen aber flohen vor Gaia, denn sie wollten keine Namen. Sie hatten die Macht, alles zu sein, was *sie* wollten - warum sollten sie das hergeben? Und Gaia in ihrer endlosen Liebe ließ sie gehen. Das sind die Namenlosen... und in den tiefsten Tiefen der Umbra kannst du sie finden, und fürchten.

Alles, das wollte, hatte nun seinen Namen. Aber es gab Unruhe und Feinde. Manche Galliarden sagen, wir stammen aus der Zeit vor dem Fall des Wyrm. Andere sagen, wir sind das Mittel, mit dem Gaia sich beschützte. Ganz gleich, wer Recht hat: Sie schuf uns.

Sie schuf uns als eine Idee. Wir waren Menschen und Wölfe, das Kind der Wildnis und das der Stadt, des Wylds und der Weberin. Wir waren Geist und Tellurisch, Kinder des Umbra und der Welt, die die lebenden Wesen kennen. Sie schuf viele Wandlerrassen, und jede bekam ihre Aufgabe. Aber es war unser Weg, ihre Fänge und Klauen zu sein. Sie zu beschützen. Ihre Schöpfung zu wahren. Ihre Feinde zu zerreißen. Wir sind Schwert und Schild der Mutter.

Auch die anderen Rassen hatten ihren Weg: Die Haie in den Tiefen der Meere sollten erinnern, die Wale die Wege beschreiten, die anderen verwehrt blieben. Die Raben sollten Nachrichten in die Welt tragen... nun, das taten sie auch, aber sie verplapperten sich zu oft. So sollten es die Katzen sein, die die Geheimnisse bewahrten... aber die gaben wiederum nichts preis. Die Koyoten wurden die Trickster, die die Grimmigen das Lachen und die Feinde das Fürchten lehrten. Die Eber waren es, die den Schutz der Wälder und der Reinheit des Landes auferlegt bekamen.
Und stolz, wie wir Garou waren, gerieten wir in Zorn und es kam zum Krieg - denn wie alle Kinder wetteiferten die Wandlerrassen, welches Kind am meisten geliebt wird von seiner Mutter."

Ihre Stimme wird traurig bei diesen Worten. Dann gewinnt sie wieder an Kraft, als sie zum Thema zurückehrt:

"Wir haben viele Legenden, wie unser Volk erschaffen wurde - die Silberfänge berichten mehr als alle anderen vom ersten Wolf. Die Fianna sagen, dass in unseren Reihen zwar nicht der erste Wolf stand, den es gab, aber den ersten, der mit der Stimme der Wölfe sang, die Uktena drücken es noch erdverbundener aus."
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#26
Von den Runen und den Fae
(von Jana / erzählt von Echo of the Past)

Passen zum Unterricht über Feen hat Vi natürlich auch hier noch einige Geschichten auf Lager.

Eines Abends zeichnet sie auf ein großes Blatt 7 Zeichen, die nur aus Strichen bestehen: Es sind nordische Runen, wie die Fenrir sie benutzen.


"Sagas Glanz, eine Skaldin aus dem Norden Deutschlands, lehrte mich, wie die alten Frauen hier im Norden den Kindern die Runen erklärten. Jede der ersten sieben Runen standen für eine Art der Fae, und sie warnten vor ihnen."

Dann beginnt sie zu erzählen. Das Plattdeutsch ist ungewohnt für sie, aber sie spricht es so flüssig aus, als würde sie es ablesen.

"De ooln Fruuen erzähln seck avens an't Für, wee dat man kümmt hett met de ooln Buukstaven van't Runenbrett. Se secht,dat is een ooln wohrschau been för de Unholds de kümmt inne Nacht. Frööer hett da veel meer Unholds weern, föör jiechtens een Buukstav een Wicht, man de schlemmst, dat weer de seven de geevt de Runen sin Nam.

De F is för de Feas, de sün man arg moi antukieken, aver weh ji, wenn ji jüm nachstiegst! De schmitt sück in't Bost as een Spatz in de Peerappeln, man wenn se een hübsch'n Deern oer 'n krachtigen Brääker in jünt feengers kreecht, dann nahmt se denn met un se hebt leevend nech wedder sehn! De neehmt de Best met sück, und breng dem man all turüch wenn se ooln un' doot sün.

De U is för de Unkert, de sed in't Bater bi de Brunn' o bi de Gravt, un de quakt wenn een Tolten vöreever kemmt. Dann quakt de as een joong Katen, or as een Kiepenkerlke un lockt jüm met Sötichkeeten to sük. Man wenn de Tolten an't Water geiht, denn is dor nümms met Sötichkeeten un keen söten kat, denn luurt dor de Unkert un he trekkt jüm in't Water dat je vörsöpen deiht, un frett de Seel.

De T is för de Trolls, de wullt seen as de Minschlü. De nahmt de Kinners van't Minschen und geev jüm sin ooln eegn Kind, man de Kind van't Troll, de frett un frett un kleiht un schreiht man aal Dag, und dreiht de aarm Frau in't Tollhuus. Wenn de Troll utwussen hett, dann kümmt he un luurt för een hübschen Deern, un froocht hör ub se hüm freien wullt. Un wenn se 'ne' secht, dann wurd he wüld un schlaacht her dohd, un wenn se 'joa' secht, dann packt hie hör un nahmt se un dann is se sün Fru? denn mut se gahn we'jümmers he wullt un mut hem to Deenst seen, un mut doon wa'jümmers he secht.

De H is för de Hewechts, de luurt in't busch un nahmt seek de Wannerers de avens van't Kniep kümmt. De trekt hüm in't Graven, un nahmt all hüs Gild, un biet hüm een Finger av or twee, wenn hüm danaoch is.

De A is för de Alps und Albets, de Dwargen, de ried un een schwarten Peerd un kümmt jümmers in't Nacht to de Lü. Da steiht he denn und geiht he denn un sett sück up'n Bost un maakt de Lü 'n schlemmen Droom, un jüm Peerd, dat frett de moien Droom un een Klunt van't de Seel und kackt it ut as een schwarten Stök un de Albet, de sett dat man moi wedder in un de Lü waard all garsteg un schlemm.

De R is för de Rees, de sün man Hüünslü, de frett'n Tropp Skeep heel un deel un jacht seck achteran twee Köh för'n Avschluss.

Un de K is för de Knöckers, de leevt in't Hus un in't Schüür un as lang as jü geevt hüm een Tas Melk un een Scheev Brohd an't Dag is he tofreden, man wenn je dat förgeiht, denn rattelt he so laang an't Daak or an't Müür büs de heeln Daak rünnerkömmt."



Sie lächelt sanft auf die Runen, dann in die Runde. So dunkel und verheißungsvoll die Worte auch klingen, haben sicher nicht alle sie verstanden. Darum setzt sie an und erzählt die Geschichte noch einmal, jetzt auf Hochdeutsch, was ihr deutlich leichter und lebhafter über die Lippen kommt.


"Die alten Frauen erzählen sich abends am Feuerloch (Kamin), wie das wohl kam mit den alten Buchstaben des Runenbretts. Sie sagen, dass es sei eine alte Warnung gewesen vor den Unholden, die in der Nacht kommen. Früher gab es weit mehr Unholde, für jeden Buchstaben ein Monster, aber die schlimmsten waren die sieben, die dem Runenspiel seinen Namen gaben.

Das F ist für die Feen; die sind recht hübsch anzuschauen, aber wehe dir, wenn du denen nachsteigst! Die werfen sich in die Brust wie der Spatz in die Pferdeäpfel (stolz, angeberisch und ungestüm), aber wenn sie ein hübsches Mädchen oder einen kräftigen Burschen in ihre Finger kriegen, dann nehmen sie sie mit und sie wurden lebend nicht wieder gesehen! Sie nehmen die Besten mit sich, und bringen sie nur zurück, wenn sie alt und tot sind.

Das U ist für die Unken; die sitzen im Wasser bei dem Brunnen oder bei dem Graben, und quaken wenn spielende Kinder (Tolten) vorüber kommen. Dann quaken sie wie ein junges Kätzen oder wie ein Verkäufer, der sie mit Süßigkeiten lockt. Aber wenn das Kind dann zum Wasser geht, dann ist da nichts mit Süßigkeiten und auch nicht mit süßen Kätzchen, dann lauert dort der Unker und zieht ihn ins Wasser, dass es ersaufen muss, und frisst seine Seele.

Das T ist für die Trolle; die wollen sein wie die Menschen. Die stehlen die Kinder der Menschen und geben ihnen ihr eigenes Kind, aber das Kind des Trolls, das frisst und frisst und schreit und kräht den ganzen Tag, und bringt die arme Frau ins Tollhaus. Wenn der Troll erwachsen ist, dann kommt er und wartet auf ein hübsches Mädchen und fragt sie, ob sie ihn heiraten will. Und wenn sie 'nein' sagt, dann wird er wild und schlägt sie tot, und wenn sie 'ja' sagt, dann packt er sie und nimmt sie mit und dann ist sie seine Frau ? dann muss sie gehen wohin auch immer er will, und muss ihm zu Diensten sein und muss tun was immer er sagt.

Das H ist für die Hwichte, die lauern im Gebüsch und Wald und schnappen sich die Wanderer, die abends von der Kneipe zurückkommen. Den zerren sie in den Graben und nehmen all sein Geld, und beißen ihm einen Finger ab oder zwei, wenn ihnen danach ist.

Das A ist für die Alben, die Zwergen; die reiten auf einem schwarzen Pferd und kommen immer in der Nacht zu den Leuten. Da steht er (der Alb) dann und geht er dann und setzt sich auf die Brust und macht den Leuten schlimme Träume, und sein Pferd, das frisst den schönen Traum und ein Stück von seiner Seele, und kackt es aus als einen schwarzen Klumpen und der Albe, der setzt das dann schön wieder ein und die Leute werden garstig und schlimm.

Das R ist für die Riesen, das sind man Hünen, die fressen eine Herde Schafe ganz und gar (heel und deel) und jagen sich danach noch zwei Kühe für den Abschluss.

Und das K ist für die Kobolde; die leben im Haus und in der Scheue, und so lang du ihm jeden Tag eine Tasse Milch und eine Scheibe Brot gibst, ist er zufrieden, aber wenn du das vergisst, dann reißt er so lang am Dach und an den Wänden, bis das ganze Dach herunterkommt."



Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#27
Das Feenbrot
(von Jana / erzählt von Echo of the Past)

"Vor vielen hundert Wintern, als der Glaube Roms noch nicht nach Irland gekommen war, lebte in einem kleinen Dorf eine Mutter mit ihren Kindern. Ein jeder im Dorf war arm, doch sie waren es bitterlich: Der Vater war auf der See geblieben, die Großeltern lebten nicht mehr und auch keines der Geschwister der Mutter. So war sie allein auf der Welt mit ihren Kindern. Und als der Winter kam, da kam er mit Frost und Macht und fror das wenige Fleisch in der Kammer zuschanden. Die Kälte machte die Kartoffeln schwarz und das Mehl zu Staub, und der Winter hatte gerade erst begonnen. Die Mutter mühte sich jeden Tag, um im Wald etwas zu Essen für ihre Kinder zu finden. Jede Nacht ging sie hungernd zu Bett, damit ihre Kleinen etwas hatten, und doch war es für keinen genug.
Und der Winter wuchs und wuchs.
Der Schnee türmte sich, und das Eis zerbrach den Holzboden der Kate, und sie hatte nichts zu essen, das sie von innen wärmen konnte. Jeden Abend lag sie weinend in ihrem Bett und überlegte, dass sie ihre Kinder lieber mit dem Kissen ersticken sollte, statt sie dem Tod durch Hunger und Frost zu überlassen.
An dem Abend aber, als ihre Kinder schliefen und sie weinend zum Kissen griff, da hörte sie eine Stimme aus dem Kamin.

"Nimm Asche aus dem Feuer, und Salz von deinen Tränen, und backe sie!", sagte die Stimme. Die Mutter sah ungläubig zum Feuer, doch sie sah niemanden. "Tu es", sagte die Stimme. "Ich will dir daraus ein Brot machen, das nie vergeht, solange du nur einen kleinen Rest übrig lässt."
Und schwach vor Hoffnung und Sorge weinte die Mutter ihre Tränen in die Asche des Feuers, und entzündete einen kleinen Scheit im Ofen. Der Scheit aber brannte so hell und warm, dass die Kinder im Schlaf wohlig seufzten, und bald schon roch es nach herrlich duftendem Brot.
Als die Mutter den Ofen öffnete, nahm sie einen gewaltigen Laib heraus. Und wieder hörte sie die Stimme: "Nimm, und gib es deinen Kindern. Füttere sie, und wenn der Laib fast ganz gegegen ist, dann lege den letzten Kanten in den Ofen und backe ihn neu. Deine Kinder und deine Kindeskinder und deren Kindeskinder werden davon essen können, solange sie leben. Aber gib mir dein Wort, mein Werk nie zu verraten, sonst ist es darum geschehen."

Die Mutter versprach es, und dann weckte sie ihre Kinder. Der Winter wuchs und wuchs, doch die Mutter und ihre Familie hatten alle Tage genug zu essen, und keines der Kleinen musste Hungers sterben. Sie wuchsen heran und sahen viele Sommer und viele Winter, und immer gab es einen Kanten des Brotes im Haus. Als die Kinder aus dem Hause gingen, da gab ihre Mutter einem jeden von ihnen eine Scheibe des Brotes mit und ermahnte sie an die Worte der Stimme im Ofen.
Viele Winter kamen und gingen, und die Kinder und Kindeskinder der alten Mutter lebten vom Brot, und überstanden manchen Winter, und manche schlechte Ernte.

Dann aber kam ein Winter, der war so bitterlich und kalt wie jener erste. Und eine Mutter aus dem Blut der ersten Mutter sah die Kinder in ihrem Dorf leiden. Ihre eigene Familie hatte so viel zu essen, und die anderen darbten und starben ... Und so nahm sie das Brot, legte es in den Ofen und rief danach die Menschen ihres Dorfes zu sich. Sie teilte das Brot und gab ihnen allen eine gute Mahlzeit.
Doch als sie den Kanten an jenem Abend in den Ofen legte, da zog kein Duft durchs Haus, und keine Wärme brannte das Eis fort. Nur eine Stimme klagte und weinte, über die Menschen, die ihre Versprechen vergessen.
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#28
Geist des Baumes
(Entstanden auf der Großen Jagd 2016. Geschrieben und erdacht von Marryweather, Dorniger Biss und Unbound heart dwells in Past im Zuge einer Eingliederung eines Lichtungskinds in das Geisternetzwerks.)
Melodie:  Kleid aus Rosen von Subway to Sally

Ein zarrter Keimling wuchs heran,
doch ihm war schon Angst und bang,
Der Frühling geht der Sommer flieht,
wer weiß was dann im Herbst geschiet.

Ref.
Winter, Winter darfst nicht kommen,
nicht bevor die Zeit ist reif,
sonst verhar ich wie benommen,
und mein Leben endet gleich.

Der Frühling hat Ihn aufgeweckt,
Im Sommer hat er sich gestreckt,
Der Regen hat ihm klar gemacht,
Der Herbst kommt schneller als gedacht.

Ref.

Geist des Baumes hör mich an,
Es ist nicht der Herbst der hier begann,
Wir haben Gaias Ruf gehört,
Es ist der Wyrm der dich hier stört.

Ref. Ende:
Faße Mut und folg deinem Herzen,
hilf uns hier bei unsrem Krieg,
Wir befreien das Land von Schmerzen,
dann erringen wir den Sieg.
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#29
Gaias Call
(von Steven / gesungen von Schmerzhafte Wahrheit)
Melodie: Irelands Call

Side by side
We stand like brothers
One for all and all together
We will stay united through darker days
And we'll be unbeatable forever

Garou, Garou
Together standing tall
Shoulder to shoulder
We'll answer Gaias call!

Come the day and come the hour
Some will live in song and story
We were born to follow our guiding star
And to meet our destiny with glory

Garou, Garou
Together standing tall
Shoulder to shoulder
We'll answer Gaias call!

Hearts of steel and heads unbowing
Vowing never to be broken
We will fight, until we can fight no more
Till our final requiem is spoken

Garou, Garou
Together standing tall
Shoulder to shoulder
We'll answer Gaias call!

Garou, Garou
Together standing tall
Shoulder to shoulder
We'll answer Gaias call!
We'll answer Gaias call!
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#30
Griechische Sagen: Die Entführung von Demeter
(von Jana / von Echo of the Past)
Seit ihrer Rückkehr aus der Umbra und den Begebenheiten, die kurz darauf folgten, erzählt Vi häufig aus dem altgriechischen Sagenraum.. Wenig überraschend spielt in diesen Sagen fast immer Hermes eine große Rolle. Was natürlich nur daran liegt, dass er so toll ist, dass man auf ihn einfach nicht verzichten kann.

"Singen will ich von Demeter, voll der Fülle, voll des Lebens
voll des Zorns und voll der Rache, Schrecklichste der Götter,
in Zorn entbrannt, als das Kind man ihr geraubt, die Frucht ihres Leibes
und des Zeus, Göttervater und Verräter,
der die Tochter gab dem Hades, Aidoneus, der alls nimmt;

Kore spielte in den Feldern, ihrer Mutter Werk und Frucht,
als der Hades sie erblickte. Sich an ihren Vater wendend, fordert
er das Mädchen da zur Frau - und der Donnerer verbietet
seinem Bruder nicht den Wunsch, dem Erstgeborenen der Zeit,
der immer war und immer ist; der Unerbittliche, der Alles-Ender;
ihm zu Gefallen gibt der Göttervater her die Tochter

Aidoneus Ameilichos, Hades Rauh und Ungebändigt,
dräuend sprengt hinab zur Erde, zu dem Felde, wo er sah
jenes Mädchen, das begehrte, das nichts ahnend dort noch spielt
packt es, reißt es, wirft es nieder in den Wagen, der gezogen
von vier Pferden, nicht unsterblich, doch
dem Tode fern und unberührt von ihm
Kore schreit, doch ungehört verhallt
ihr Klagen, in der Stille, die den Tod umgibt

Demeter, die Grünende, Mutter warm von Korn und Feld
sucht ihr Kind in allen Weiten, das niemand sah, als es verschwand
Drei und drei und drei Tage sucht sie, bis die Dämmerung und Nacht
sie umfangen. An dem dreigeteilten Wege
hört die Hunde läuten sie
und die hagere Erscheinung der Hekate wandelt furchtlos
auf der Wege Nacht, alte Fackelträgerin der Weisheit
Pflegerin der Wesen Gaias, voll des Wissens, voll der Macht
tröstet sie die Mutter, klagend, und kommt der Morgen
erhebt Hekate ihre Stimme, und Helios erhört den Ruf
der Allessehende, der Allwachende

So erfährt die wunde Mutter, was dem einz'gen Kind geschehen
und entbrannt in Zorn und Asche fordert Kore sie zurück
doch die Männer, die sie fordert, verweigern hart ihr diese Schuld.
Und so nimmt die Gerstenmutter allen Fluss von dieser Welt
Nimmt das Wachsen und Gedeihen, nimmt das Grün und nimmt das Korn
Nicht ein Blatt an einem Baume, nicht ein Grashalm auf dem Feld
Überfluss ist ihre Gabe, doch Überfluss auch in dem Zorn
Nichts soll leben und gedeihen
kann ihre Tochter sie nicht sehen.

Demeter schweigt in ihrem Tempel,
als Zeus Iris zu sie schickt,
die Götterbotin, jede Siebenfarbige, die den Himmel schmückt und teilt
tritt zur Mutter, die gehüllt in schwarz:
"Zeus gebietet Einhalt dir!
Gehorche seinem Wort!
Nimm den Zorn von Mensch und Tier!
Nimm den Hunger fort!"

Doch Demeter, kalt in Zorn und erstarrt wie alles Leben
jagt sie fort, und Iris berichtet
dem Göttervater von Demeters Wut,
vor der Götter selbst sich beugen müssen.

Gott der Diebe und des Handels hat Hermes Kenntnis von dem Raub
und auch er ein Götterbote, seines Vaters liebste Zunge
hört mit Schadenfreude vom Versagen der Iris und er spricht:
"Vater Zeus, lass mich versuchen
jedes Leiden zu beenden.
Es ist nicht zu der Götter Ehren
trifft die Sterblichen der Zorn
Kann Demeter ich erweichen
soll das Leben wieder blühn."

Er, der Herr der gründen Länder, Arkadiens
wo die sanften Hügel sich zur Sonne auf erheben
wo Bäume Schatten spenden dem, der reist
wo Schafe, Ziege, Kühen weiden
wo Korn weht unter dem Zephyr
Arkadien, das Land des Hermes
das nun brachliegt und verfällt
Nicht zur Ehre reicht dem Herrn
und so macht auf Flügelschuhen
Hermes sich auf, um zu bestehen.

Mit sanften Worten spricht er zu der Mutter, die ihn nicht hören will und doch
die Hoffnung in ihn setzen mag, er der Mann der flinken Zunge
der danach hinabsteigt in die Unterwelt
"Dunkler Hades, Herr der Toten, Vater Zeus verlangt die Rückkehr
der edlen Kore aus dem Erebus zum Sitz der Götter
damit sie unter ihrer Mutter Augen tritt und diese zum Erleuchten bringt
auf dass Demeter zurücktritt von dem dunklen Groll, den sie uns schickt.
Kann die Unsterblichen sie nicht erreichen, kann die Sterblichen vernichten sie und sie plant abscheulich Taten:
die schwachen Wurzeln des Menschengeschlechts will sie verdorren
und so den Ruhm der Götter enden."

Aidoneus, Herr der Toten, erzürnt, als er das Wort vernimmt
doch auch er ist gebunden dem Befehl des Göttervaters, Herrscher des Olymp
und so ruft herbei er schnell das Mädchen, doch nicht ohne Hinterlist
ehe sie besteigt des Hermes Wagen küsst Aidoneus seine Braut
und ungesehen selbst vom Argostöter
zwingt Granatkerne er über ihre Lippen, zwingt zu essen sie die Frucht

Freudestrahlend eilt das Mädchen zurück zur Mutter, die
noch immer tief in schwarze Trauerschleier gehüllt
nun liebkost das Kind und weint
und Zyanen hervorbringt aus ihren Tränen
Doch als sie gewahr der Tochter Augen fragt mit bangen Blicke sie
"Hast gegessen du im Reich der Toten? Denn weh, wer dort speist, der ist verlor'n."
Rasch berichtet nun das Mädchen von den sieben Kernen deren
Speise, aufgedrängt von Hades, ihrer Seele zum Verhängnis sind
Hermes aber, Listenreicher, hört was der Allesfänger so getan
Unverzeihlich gegen jene, die ihn betrügen

Da nähert sich die silberhaarige Hekate, die Tochter zu umarmen
Kind des Lebens, dem Tode nun vermählt und damit der Hekate näher
als ihrer Demeter, der Kornmutter; und zur Muhme wird
die alte Zauberin dem Mädchen, der Persephone, Braut des Hades

Vor Göttervater Zeus und Herrin Hera tritt Demeter mit dem Kind
und Hades, Herr des Tartaros, der siegreich Wartende,
denn die Tochter hat gekostet von dem, was kein Leben nicht berühren darf
und so wird dem Hades sie gehören
Dies vernehmend hüllt Demeter tiefer sich noch in ihr schwarz
und die Trauerschleier nehmen alles Leben von der Erde Leib
kein Kind, das noch geboren, kein Samen, der sich regt
bis der Götter Urteil fällt: Die sonnenferne Unterwelt ist nun
Persephones Heim für ein Drittel eines Jahres; doch Tochter sein
unter ihrer Mutter Augen darf sie für den Rest der Tage jenes Maßes

Als vorübergeht, was Sommer ist, als Winter sich erhebt
kommt Aidoneus, Herr des Sterbens, seine Braut zurückzuhol'n
Doch Persephone verlangte das ihre: Flinken Fußes tritt auf den Wagen,
des Alastor, den Fluch des Frevlers, zum Böse stets zu streben
des Nykteus, den Dunklen, der des Nachts die Seelen nimmt
des Orphnaios und Aetheon; der Pferde Zügel nimmt sie auf und bezwingt ihren Willen; denn sie ist Göttin der Toten nun, und so müssen sie gehorchen

Demeter aber hüllt in schwarz sich wieder, lässt nicht wachsen und gedeihen
bis die Tochter aus dem Leib der Erde wiederkehrt
von der Wort ihr bringt nur Hekate, weise Alte, silberhaarige Herrin der Hunde, die furchtlos Schreitende,
und Hermes, der, den Hades reizend, den Tartaros betritt und wieder geht und auf Ahndung sinnt für jene List, die der All-Nehmer begangen."
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
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