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Geschichten am Feuer
#1
Dieser Thread ist gleichermaßen zum Spielen da wie auch als Nachschlagewerk.


  • Jeder ist herzlich eingeladen, Geschichten zu erzählen und anzufragen, mitzufiebern oder Reaktionen zu beschreiben.
  • Zeitlich sind wir im ganz undefinierten L-Space.
  • Ich übertrage alle 'alten' Geschichten aus dem alten Forum ohne den fluff, später ist Spiel aber gern gesehen und erwünscht 


Inhaltsverzeichnis zum schnellen Finden



1. Warum das Feuer Geschichten liebt
2. Der erste Wolf
3. Die Entstehungsgeschichte der Fianna
4. Die Entstehungsgeschichte der Kinder Gaia's
5. Die Entstehungsgeschichte der Schwarzen Furien
6. Waschbär und der Häuptling der Krabben
7. Dörchenanner
8. Der Erste Ritus von "Zahlt den Preis", Ragabash der Fianna
9. Rabenlied
10. Die Maulwurf-Affäre
11. Theurge von hundert Alphas
12. Die Löwengrube
13. Der Rote Mann | Der erste Vampir
14. Die Stadt der Maden
15. Das große Herz
16. Zlad, Torek und Bernt
17. Ascheläufers erste Reise in die Schattenlande
18. The Restless Dead | Die ruhelosen Toten
19. Eibenlaub
20. Donnervogel
21. Programmiererkönig - Für Cyberghost
22. Dörchenanner - Lied
23. Das Geben der Namen
24. Von den Runen und den Fae
25. Feenbrot
26. Geist des Baumes
27. Gaia's Call
28. Griechische Sagen: Die Entführung von Demeter
29. Griechische Sagen: Orpheus und Eurydike
30. Changling Child
31. Vier gegen Sieben
32. Griechiche Sagen: Athene und die Eulen
33. Wie die Sucher der Wahrheit zu Eule kamen
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#2
Wenn es Abend wird, kann man Vi regelmäßig im Haus finden, wo sie Geschichten erzählt. Dafür muss nicht einmal jemand bei ihr sein, sie scheint sich auch gerne mit den Geistern zu unterhalten, die vom Umbra aus lauschen. Das heißt aber nicht, dass sie sich über Zuhörer nicht freuen würde, im Gegenteil: Jeder ist willkommen.
Manche Geschichten erzählt sie öfter, andere nur hin und wieder oder wenn sie danach gefragt wird. Manchmal antwortet sie auf eine Frage am Vormittag, dass das jetzt gerade zu weit führen würde, aber man sie gerne später noch einmal darauf ansprechen kann.

OT: Hier ist Platz, falls jemand eine bestimmte Geschichte gern hören würde, oder zu einem bestimmten Thema sein Wissen durch Geschichten vertiefen möchte. Ich freu mich über Anregungen.


Eine Geschichte, die sie häufig erzählt, ist warum das Feuer Geschichten liebt.


--


Warum das Feuer Geschichten liebt
(Von Jana / erzählt von Echo of the Past)



Es geschah einst, als der Schleier noch nicht die Garou von den Menschen trennte, und ehe die Pakte zwischen Geistern und Garou geschlossen waren.

Es war ein ewiger Winter in der Welt. Viele Leiber hoch lag der Schnee, und es war bitterkalt. Hart pfiff der Wind über die Ebenen, und nichts konnte sich ihm erwehren. Keine Pflanze konnte das Eis überleben, und die Strahlen der Sonne waren so schwach und blass, dass es immerwährendes Zwielicht war. Durch diese Kälte zog ein Garou, und in seinen Armen trug er ein Menschenkind.
Es konnte schon lange nicht mehr laufen, zu schwach und zu erschöpft war es, und seine Finger und Füße wurden schon blau. Der Garou hatte es in seine Arme geschlossen, zu voller Kriegsgestalt aufgerichtet, und barg es im Fell seines Leibes, um es vor der Kälte zu schützen.

Doch es wurde Abend, und kälter.
Die fahle Sonne sank, und mit ihr wurde die Dämmerung zu tödlicher Nacht. Nicht einmal dir Sterne schienen, und grausam heulte der Wind.
Als das Kind noch schwächer wurde, fand der Garou einen Felsvorsprung, und ein wenig Moos wuchs daran. Der Garou ließ sich nieder und rückte das Kind zurecht, so dass es vor dem schneidenden Wind geschützt wäre. Doch es nützte nichts, und das Kind zitterte immer mehr.

Da rief der Garou die Geister, die Geister der Sonne, die Geister der Wärme, des Sommers, doch keiner von ihnen antwortete ihm. Nur der Geist des Feuers flackerte kurz auf.
Der Garou griff das Moos, das dort wuchs, und versuchte ein Feuer zu entfachen. Und tatsächlich, kurz loderte die kleine Flamme an dem bisschen Grün auf. Das Kind seufzte leise.
Doch schon bald erstarben die Flammen wieder. Kleiner und kleiner wurden sie, und immer winziger, bis sie fast nicht mehr zu sehen waren.

Das Kind hatte aufgehört zu zittern, und der Garou sah es mit Schrecken: Er wusste, dass der Körper des Menschenkindes aufgegeben hatte. Verzweifelt versuchte er Leben in die kleinen Gliedmaßen zu reiben, das Kind in seinem Fell zu wärmen. Noch einmal rief er alle Geister an. Nur der Feuergeist knisterte leise.
"Feuer, hilf mir!", rief der Garou. "Das Menschenkind stirbt!"
Was soll ich machen, sprach das Feuer gelangweilt. Flammen entzünden sich, Flammen erlischen, das ist der Lauf der Welt, und ich kann dir nicht helfen, wenn da nichts ist, das brennen kann.
"Aber ohne Feuer wird er erfrieren!"
Das ist der Lauf der Welt. Etwas muss verbrennen, wenn das Feuer leben soll. Flammen müssen Nahrung finden, Garou.
Und das Feuer erstarb.

Das Menschenkind, das dem Grollen und Knurren mit müden Ohren gelauscht hatte, sah zum Garou auf. "Ich werde sterben, oder?", fragte es.
Der Garou konnte nichts sagen. Selbst sein Lächeln erstarb.
"Wenn ich sterbe, werde ich dann alle wiedersehen, die vor mir gegangen sind?", fragte das Kind weiter.
Der Garou blickte zum Himmel auf und suchte nach Worten. "Ja", sagte er dann schließlich. "Wenn wir sterben, stirbt nur ein Teil von uns. Nur der Körper. Alles andere - deine Gedanken, dein Wesen, deine Seele - all das lebt fort. Es ist eine wunderschöne Welt, wo Luna mit Helios tanzt. Wo die Bäche klar und voller Fisch sind, die Bäume grün und rot und Gold zugleich. Dorthin gehen alle, die von uns gehen. Und du wirst sie alle wiedersehen. Du wirst glücklich sein."
Das Menschenkind lächelte. "Dann habe ich keine Angst. Es ist wie schlafen gehen."
Dem Garou brach es das Herz. Doch er lächelte. Und Tränen stiegen in seine Augen, als das Kind die Hand in seine Pranke legte, und die Augen schloss und leise bat: "Erzählst du mir eine Geschichte?"

Da begann der Garou zu erzählen, von den Heldentaten der Menschen, der Garou und der Pracht Gaias. Von allen Wundern der Welt und der anderen, von allen Farben und Düften, die das Eis eingeschlossen hatte und die das Kind nicht kannte. Geschichte um Geschichte wob der Garou, eine nach der anderen.
Er suchte nach einer anderen, da hörte er das Kind einen Atemzug nehmen. Und danach keinen mehr. Verzweifelt rieb er die Gliedmaßen, drückte das Kind, rief es bei seinem Namen, doch es regte sich nicht mehr. Da hob er den Kopf zum Himmel und ein Geheul kam über seine Lefzen - da hörte er die Stimme des Feuergeistes.

Warum hörst du auf? Es war doch gerade so spannend.
"Das Kind ist tot. Es gibt niemanden mehr, der lauscht."
Ich lausche.
"Du hast dem Kind nicht geholfen. Weshalb sollte ich dir nun Geschichten erzählen?"
Da brannte mit einem Mal neben dem Garou ein Feuer, heiß wie die Sonne.
"Ich dachte, du brauchst etwas, von dem du zehren kannst?", fragte der Garou.
Ich zehre von den Geschichten, antwortete das Feuer.
Der Garou erstarrte, dann rieb er das Kind und rief es und bewegte jedes Glied am kleinen Leib, bis das Menschenkind die Augen aufmachte.

Der Feuergeist aber tanzte neben den beiden, lichterloh brennend.
Und nun erzähl weiter, drängte er den Garou.
Und so erzählte der Garou weiter, die ganze finstre Nacht hindurch, und der Feuergeist brannte und zehrte vom Feuer, das in Geschichten schläft.
Und noch heute erzählen wir unsere Geschichten am Feuer, denn in dieser Nacht wurde ein Pakt geschlossen, und die alten Pakte ruhen nicht.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#3
Der erste Wolf
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
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#4
Die Entstehungsgeschichte der Fianna
(Von Jana / erzählt von Echo of the Past)

"Es gibt viele Geschichten vom ersten Wolf, fast so viele, wie es Stämme gibt. Die Silberfänge sagen, dass sie direkt vom ersten Wolf abstammen - aber wer von uns tut das nicht? Wenn es den ersten Wolf gab, woher kamen die anderen Wölfe? Waren sie seine Nachkommen, wurden sie von ihm geschaffen? Waren sie seine Sehnsucht nach Gesellschaft, die in einer monderfüllten Nacht Gestalt annahm und Körper formten, während sein Geheul zu Luna dran? Die Stämme Amerikas - die Uktena, die Wendigo, die Croataner - kennen Geschichten, dass der erste Wolf zugleich ein Mensch war; die Sternenträumer berichten manchmal, dass alle Wesen gleichzeitig erschaffen wurden; die Bunyip, so fern ihre Seelen sein mögen, kannten sie Legende, dass jedes Wesen nur im Traum der Umbra existierte, dass diese Welt nicht realer sei als die anderen Welten der Umbra und es deshalb in Wirklichkeit keine Vergangenheit gibt, sondern nur eine neue Schleife des Traums. Wie kann jemand Anspruch erheben, die Wahrheit zu kennen? Gar nicht. Wir kennen nur die Geschichten, und hören, was sie uns lehren sollen.

Die Silberfänge sagen, dass sie direkt vom ersten Wolf abstammen - wir erheben diesen Anspruch nicht. Wir wissen, dass wir von dem Wolf abstammen, der das erste Mal seine Freude über das Leben hinausheulte. Wir wissen, dass wir dem Geheul entstammen, dass in dieser Nacht in die Welt hinausging, und das noch immer wiederhallt. Das Echo, das noch immer zu hören ist, wenn ihr der Essenz der Dinge lauscht. Der Rhythmus, in dem unsere Herzen schlagen, der Takt unseres Atems, das Trommeln eines schlafenden Baumes, das flüsternde Spiel von Blättern im Wind - das alles ist das Lied Gaias, das unser Vorfahr in seinem Geheul besang. Und dieses Geheul war so voller Leben, so voller Leidenschaft, dass es das schöne Volk zu uns brachte. Manche sagen, das Geheul habe den Traum erschaffen, und der Traum die Feen; andere sagen, das Geheul hätte die Feen dazu gebracht, auf die Welt zu sehen; und andere sagen, sie wären schon immer dagewesen und hätten nach denen gesucht, die ihre Seele erfüllen könnten. Was immer es war, sie kamen. Sie kam.

Die Könige der Feen sind wunderschön, weil sie aus Träumen von Schönheit geboren wurden. Niemand kann vor ihnen bestehen, und niemand will es auch nur - sie sind von Schönheit durchzogen und bestehen aus nichts anderem. So war auch sie, aber sie sah den Wolf und nahm seine Gestalt an, und gemeinsam rannten sie durch die Nacht, Flanke an Flanke, solange Luna am Himmel stand. Ihre Stimmen verschmolzen, als sie heulten, und ihre Körper taten es ebenso. Als der Morgen graute, war sie verschwunden; doch sie kam zurück, an einem Abend, an dem Luna schien, und bei ihr führte sie zwei Kinder. "Das sind unsere Kinder", verkündete sie ihm. "Kinder unserer Völker, gesegnet mit deiner Leidenschaft und meinem Traum, mit deinem Herz und meinem Blut. Dies ist Dana", sprach sie, "meine Tochter, die bei mir bleiben wird. Doch dies ist unser Sohn, der mit dir gehen soll, um bei dir zu leben. Bruder und Schwester, für immer eins, ein Blut für alle Zeit."

Als sie ging und die Tochter mit sich nahm, blieben der Wolf und sein Sohn zurück, doch niemals vergaßen sie den Bund. Ihr Heulen erklang, wenn sie jagten, ihr Heulen erklang, wenn sie kämpften, und ihr Heulen erklang, wenn sie die Welt priesen. Und das schöne Volk hörte es, und sie begegneten sich, wieder und wieder, und das Band zwischen unseren Völkern wurde nie vergessen.

Die Silberfänge sagen, dass sie direkt vom ersten Wolf abstammen - wir erheben diesen Anspruch nicht. Wir stammen nicht vom ersten Wolf ab - nur vom Besten", schließt die Fianna mit einem frechen Grinsen.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#5
Die Entstehung der Kinder Gaias
(Von Jana / erzählt von Echo of the Past)


"Wir sind eine alte Rasse, so alt wie die Menschen und so alt wie die Wölfe, und vielleicht noch älter, denn wir wurden von Gaia geträumt und zu ihrem Schutz bestimmt. Wir waren die mächtigsten Krieger, die Schwerter in ihrer geweihten Hand. Die Wölfe waren, was sie immer waren, wild und frei - und in den ersten Tagen waren die Menschen wie sie. Sie zogen über das Land, lebten von der Jagd und von dem, was sie auf Gaias Boden fanden. Korn und Beeren, Pilze und Obst; Fische, Wild und Käfer... sie nahmen, was sie fanden, und sie waren ebenso geschickt darin, sich zu ernähren, wie die Tiere um sie herum. Viele von ihnen starben, doch ebenso viele überlebten; so war es bei den Wölfen und so war es bei den Hasen auf dem Feld und dem Reiher in der Luft, weshalb sollte es bei ihnen anders sein?

Doch die Menschen dachten. Sie hinterfragten ihr Leben, und sie waren klug. Sie erfanden Werkzeuge und horteten Wissen, und sie verstanden, dass eine Generation niemals den Wandel hervorbringen konnten, aber das eine Generation, die auf den Schultern ihrer Ahnen stand, neue Ziele erreichen konnte. Manche sagen, die Menschen hätten es von uns gelernt; manche sagen, wir hätten es von ihnen erfahren. Was immer richtig ist: Wichtig ist nur, dass sie es taten. Und damit wurden sie zu den Lieblingen der Weberin.

Der erste Kadaver - der, den wir den roten Mann nennen - entstand, als er die Weberin bat, ihn als Schüler zu akzeptieren, und sie ihm Wissen gab, das niemals hätte geteilt werden dürfen. Aber er war nicht der einzige. Es kamen andere Menschen zu ihr, und andere folgten ihren Wegen, ohne es jemals zu sehen. Sie lernten, die Felder zu bestellen, statt zu den Büschen und zum Korn zu gehen, wenn sie zur Ernte standen; sie lernten Tiere zu fangen und zu halten, statt sie zu töten. Sie lernten Häuser zu errichten statt sich in Höhlen und auf Bäumen zur RUhe zu betten; sie erinnerten sich daran, welche Kräuter ihnen Linderung brachten, wenn sie Schmerzen hatten.

Zunächst hatten wir nichts dagegen. Wir waren die Garou, mächtige Krieger und Anführer, und in jenen alten Tagen waren wir auch arrogant. Es gab viele von uns, die meisten noch nicht in Stämmen, sondern in den Gruppen, die sich durch Geografie und Familie ergaben. Es gab noch keine Blutsverwandten, denn wir waren Wölfe und Menschen, und wählten unsere Gefährten unter ihnen. Wir liefen mit den Wölfen und waren Alphas ihrer Rudel; wir vermählten uns mit den Menschen und führten ihre Gruppen. Wir lebten mitten unter ihnen. Wir verteidigten sie, wir beschützten sie, wir leiteten sie und wir heilten sie, wenn wir es vermochten. Aber zu oft vermochten wir es einfach nicht.

Die Wölfe klagen nicht, wenn sie ein Kind verlieren. Sie betrauern es, sie tragen es in ihrem Herzen, aber sie wissen, dass es der Preis ist, den wir alle für das Gleichgewicht zahlen müssen: Jeder von uns muss sterben, und manche schon als Kinder, manche unschuldig, manche grausam; aber letztlich bedeutet jeder Tod nur die Hoffnung auf Platz für ein neues Leben, und jeder Leichnam nährt den Boden und diejenigen, die von ihm fressen. Jeder Tod ist immer ein Beginn, und auch wenn die Wölfe keine Worte dafür haben, erinnert ihr Geheul stets nur im Stolz an die, die gegangen sind.
Die Menschen aber waren anders. Sie klagten, und weil sie denken konnten, fragten sie sich nach dem 'Warum', und fragten, ob sie es hätten verhindern können. Weil sie denken konnten, konnten sie die schliche Wahrheit des Gleichgewichts nicht erkennen, und sie verwickelten sich in ihren Fragen. Ihre Verzweiflung war ein mächtiger Antrieb, und sie erfanden neue Wege, um den Tod zu umgehen: Sie lernten neue Wege der Heilkunde, sie bauten bessere Waffen, sie schufen dickere Kleidung und festere Wände für ihr Haus. Aber den Tod konnten sie nie umgehen, und deshalb suchten sie immer weiter nach neuen Wegen.

Wir konnten nicht mit den Menschen leben, ohne ihre Verzweiflung zu sehen. Wir litten, wenn unsere Kinder starben, und wir versuchten sie zu retten. Wir lehrten die Menschen das heilen, wir halfen ihnen, wo wir konnten. Sie waren unser Blut, sie lebten mit uns, gebaren unsere Kinder; wir hatten beschlossen, dass wir sie an unserer Seite haben wollten, und wir behandelten sie wie die Auserwählten, die sie waren. Doch wir bedachten nicht, dass jede Art sich hilft, und sahen nicht, dass unsere Gefährten die Künste, die wir sie lehrten, auch an andere Menschen weitergaben. Und sie beschritten noch einen Weg, von dem sie uns erst berichteten, als es zu spät waren: Sie schlossen einen Pakt mit der Weberin. Sie würden stets nach neuem Wissen streben, niemals aufhören zu entwickeln und zu optimieren, würden Erklärungen für das Wesen der Welt finden - und dafür versprach die Weberin ihnen, sie vor dem Tod und dem Chaos zu beschützen, und mehr von ihnen überleben zu lassen, als ihnen zustand.
Sie wurden zu ihren Kindern.

Die Zivilisation breitete sich aus, die Weberin wurde stärker und stärker. Und dann kam der Moment, in dem unsere Weisen erkannten, was sie geschaffen hatten.

Die Menschen starben noch immer, doch mehr von ihnen überlebten. Es mochte nur ein Kind mehr sein auf hundert, doch es war mehr, als es hätte sein sollen. Ein Kind mehr auf hundert, doch sie waren mehr als hundert; und in jeder Generation wurde die Zahl größer. Langsam nur, doch stetig, brachten sie das Gleichgewicht aus dem Lot. Sie breiteten sich über die Welt aus, drangen in Gegenden vor, in denen sie niemals hätten überleben können - doch jetzt hatten sie Waffen, jetzt hatten sie Kleidung, und sie hatten Wissen, und damit überlebten sie Seuchen und kalte Winter und wilde Tiere. Sie lernten Metall zu bearbeiteten, das Blut aus den Adern Gaias - niemals hätten sie das lernen dürfen. Doch sie lernten es, und ihre Zahl wurde immer größer.

Da beschlossen manche Garou, dass etwas getan werden musste. Wir mussten die Zahl der Menschen beschränken, mussten dafür sorgen, dass nur so viele überlebten, wie das Gleichgewicht vertrug. Jedes andere Wesen der Welt unterwarf sich dem Gesetz Gaias; die Menschen aber beriefen sich auf ihren Pakt. Gaia schickte ihre Diener: Die Geister von Krankheiten und Stürmen, von Winternächten und Schwäche und Kälte; aber die Weberin schützte ihre Kinder und hielt sich an ihren Pakt. Es heißt, dass der Wyrm schon in diesen Tagen wahnsinnig wurde, weil die Weberin ihn ein Netz sponn, aus dem er nicht entkommen konnte; vielleicht wurde er wahnsinnig, weil sie ihn daran hinderte, die Aufgabe zu erfüllen, die sein Wesen war, und er versagte.
Wie auch immer es war: Die Garou mussten handeln. Und sie taten es mit ganzer Härte. Wir schonten unsere Gefährten, doch wir jagten die Menschen, die kein Blut von uns trugen. Wir waren der Schatten im Dunkel des Waldes, der Jäger in der Nacht, der Mörder auf den Feldern. Wir metzelten ganze Dörfer nieder im Bestreben, die Zahl der Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wir töten Alte, Schwache und Kinder.

Ich sagte schon, wir waren arrogant. Wir hatten Macht, und Macht bringt manches Mal das Schlimmste in einem Wesen zum Vorschein. Wir vergaßen, warum wir das Impergium errichtet hatten, und wir labten uns daran wie die Egel, die wir hassen. Nicht alle von uns, nein, aber kein Stamm kann behaupten, dass es in seinen Reihen nicht einen gegeben hätte, der es nicht getan hätte - kein Stamm in Europa zumindest. Wir wählten unsere Gefährten nicht mehr danach, ob sie uns ebenbürtig waren und uns wollten, sondern nahmen sie uns einfach und zwangen sie, uns zu Diensten zu sein. Wir ließen die am leben, die uns zweckmäßig erschienen, und töteten den Rest. Die Krähen hatten jeden Abend ein Festmahl in jenen Tagen.

Andere Fera - die Bären, die Otter, die Katzen, die Raben, die Selkie und viele andere - kamen und prangerten uns an, dass wir unseren Weg vergessen hatten, doch wir waren hochmütig und hörten nicht auf sie. Waren wir nicht das Schwert Gaias, wo sie nur niedere Waffen und Rüstung waren? Wir waren die Auserwählten und wir kannten die Wahrheit... und wir sahen nicht, dass wir selbst das Gleichgewicht zu zerstören drohten, das wir schützen wollten. Wir bekämpften diejenigen, die uns kritisierten, und töteten viele Fera, so dass Kriege entstanden, die nie hätten geführt werden dürften.

Doch es haben nie alle Garou so gelebt, und es gab Garou, die sich gegen ihre Septen stellten. Die neben die Fera traten und mit ihrer Stimme sprachen, und die ihnen Hilfe boten, wenn Garou sie jagten. Es wurde ihnen als Aufstand ausgelegt, und viele von ihnen wurden getötet. Welpen, Krieger, Veteranen - jeder, der sich gegen das Impergium stellte, jeder, der den Fera die Hand reichte, jeder, der sich für ein Miteinander aussprach und damit die Macht der Garou zu beschränken drohte. Sie starben, ihre Körper zerfetzt und verscharrt.
Doch nicht ihre Seelen.

Einhorn rief sie zu sich, die Getöteten, die Ausgestoßenen. Sie gab den Seelen der Toten einen neuen Körper, in dem sie wiedergeboren wurden, und den Ausgestoßenen ein Heim. Sie scharte sie um sich und stärkte sie auf ihrem Weg. Es heißt, Gaia selbst habe Einhorn geschickt, um das Morden zu beenden, und wenn es so war, dann erfüllten der neugeborene Stamm, der sich 'der eine Stamm' nannte, dieses Ziel: Die Kinder Gaias waren geschaffen, und mit der Macht, die erwächst, wenn man gemeinsam vorgeht, stemmten sie sich gegen das Impergium.

Niemand kann mehr sagen, wie viel Zeit verging, doch letztlich kehrten die Garou von dem Pfad der Vernichtung um, den sie beschritten. Sie erklärten das Impergium für beendet. Manche führten den Krieg weiter, wie die roten Klauen; andere hatten ihn nie so intensiv geführt, wie die Glaswandler. Viele gemäßigte Garou standen dagegen, und manche sagen bis heute, dass es ein Fehler war: Die Art, wie das Impergium durchgeführt wurde, war falsch; und dennoch war es notwendig, denn dei Zahl der Menschen steigt und steigt, und inzwischen beschreiten sie Wege, durch die wir sie kaum noch aufhalten können. Sie sind ein Virus, der sich ausbreitet - und sie sind noch immer die Wurzel, aus der wir sprießen. Sie haben die Wölfe zu Hunderttausenden getötet, haben sie ausgerottet und gehetzt, und ganze Arten von Tieren und Pflanzen für alle Zeit vernichtet, haben Tiere zu ihren Spielzeugen und Sklaven gemacht - sie sind die Kinder der Weberin, und sie hören nicht mehr auf das Lied, in dem Gaia von Gleichgewicht singt. Sie sehen sich als die Herren der Welt, als Krone der Schöpfung - und begreifen nicht, dass es der Weg zur Zerstörung ist."

Ihre Stimme ist müde, bitter und traurig geworden. Sie schaut Jacob an, und berichtet etwas gefasster weiter: "Die Kinder Gaias sind der Aufschrei der Stämme nach Einigkeit, nach dem Ende der Grabenkämpfe untereinander. Sie sind ein Stamm, der einer noblen Gesinnung enstammte, und der einzige, der frei ist von der Schuld des Impergiums. Deshalb tragt ihr nicht den Fluch, der uns über unsere Vorfahren gegeben ist: Unsere Kriegsgestalt erinnert die Menschen an die Tage des Impergiums und versetzt sie in markerschütternde Panik. Eure Kriegsgestalt aber erinnert sie an diejenigen, die sie schützten, und sie erinnern sich an das, was sie gesehen haben, statt wie bei uns durch Furcht alles zu ignorieren und zu vergessen. Euer Totem ist Einhorn, die Gnädige, die Milde, die Verzeihende, die Liebende. Sie ist stark, um die zu einigen, die Seite an Seite kämpfen sollten; und sie leidet, wenn Verwundeten nicht geholfen wird, wenn man den Schwachen nicht die Hand reicht, wenn Garou die bekämpfen, mit denen sie verbündet sind. Und all das Gute, das sie tut, verlangt sie auch von ihren Kindern."
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
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#6
Entstehung der schwarzen Furien
(von Jana / erzählt von Echo of the Past)

"Was die Geschichten über die Entstehung der Schwarzen Furien angeht, so habe ich davon gehört, dass Pegasus selbst sie jeder einzelnen Furie offenbart, wenn sie ihren Rang bekommen hat - und von einer anderen Furie, dass dem nicht so sei, aber es viele Geschichten über die Entstehung des Stammes gebe, weil sie sich über die Jahrhunderte gewandelt und doch sie selbst gebliebeb sind, wie Luna - Artemis - selbst es tut: Von Neumond bis Vollmond stets anders, und doch immer der Mond.

Nun, dies ist die Geschichte, die ich von Peitho hörte, geboren im Lichte als Artemis tanzte; sie, die in den Tosenden Wassern lebt.


Wir alle wurden von unserer Mutter geschaffen, und so ist es bei jedem Wesen auf der Welt: Es ist die Liebe unserer Mutter, die uns wachsen lässt, und ihre Kraft, damit wir leben. Es ist ihre Kraft, durch die wir größer werden, und deshalb sind die Körper der Männer stärker als die der Frauen: Wir sparen immer einen Teil von uns für den Tag, an dem wir unseren Kindern das Leben schenken.

Aber es kam die dunkle Zeit, in der die Männer vergaßen, dass dies der Wille der Mutter war. Die Männer sprachen, "warum sollten wir auf den Rat der Frauen hören; warum sie ehren, wenn wir doch stärker sind als sie", und so nahmen sie sich mit Gewalt das Recht zu herrschen. Weil sie stärker waren, beherrschten sie die Frauen und zwangen sie, ihnen zu gehorchen: Ihnen hörig zu sein, ihnen zu glauben, zu dienen und sich für ihre Wünsche aufzuopfern.

Sie nahmen Mädchen gegen deren Willen zur Frau. Sie sperrten ihre Frauen ein. Sie schlugen und verstießen sie, wenn sie ihnen zu alt wurden. Sie töteten sie, wenn sie sich auflehnten. Sie hielten sie dumm, und schwach, und ließen sie nie erkennen, welche Macht die Mutter ihnen gegeben hatte, sondern benutzten sie nur, um Kinder zu gebären."
An dieser Stelle wird Vi's Stimme dunkel von einem sehr, sehr alten Zorn, der in ihr brodelt. In ihren Augen funkelt der Wunsch nach Rache und Blut, und es hat wenig mit dem zu tun, was sie eben berichtete, sondern liegt viel tiefer.
Als sie weiterspricht, hat sich der Zorn gelegt, wie ein wildes Tier, dass sich für den Augenblick zurückzieht, um weiter im Dunkeln zu lauern.

"Aber die Mädchen und Frauen und alten Weiber riefen zur Mutter. Das Blut und die Tränen, die vergossen wurden, sickerten in ihren Leib, und die Winde trugen ihr die Schreie und das Schluchzen zu. Und die Mutter nahm das Feuer des Herdes und den Schmerz der Geburt, die Wildheit der Mutter, die ihr Kind verteidigt, und schuf den Leib einer Frau. Sie gab ihr den Zorn und die Kraft, alle Frauen zu rächen, und ließ sie losstürmen. So schrecklich war ihr Zorn, dass jeder, der sie sah, vor Angst versteinerte; so brennend war ihr Hass, dass kein Mann vor ihrer Hand bestehen konnte. Mordend stürmte sie durch das Land.

Doch da erhob sich das Klagen erneut: Die Bestie vernichtete jeden Mann, auch jene, deren Herz rein war, und das Wehklagen der Frauen hörte nicht auf. Denn auch die Männer hatten ihren Platz im Werk der Mutter. Sie rief die Kreatur zurück, doch diese war blind vor Hass und wollte nicht innehalten.

Da sprach Artemis, die am Himmel steht, ein Machtwort. Ihr Ruf wurde von einer jungen Garou gehört, ein Mädchen noch, von reinem Herzen und starker Hand, und gab ihr ihre Macht. Und dann schuf sie ein Wesen, das jeden Weg gehen konnte: Ein Pferd, wild, und doch sanft; mit Flügeln zu fliegen und Hufen zu rennen; stark, und doch zart; so wie jede Frau es ist. Artemis beauftragte die beiden, die Kreatur des Zorns zu jagen und zur Strecke zu bringen. Die Jägerin sprengte auf ihrem Pferd davon, und nach vielen Mondläufen entbrannte endlich der Kampf. Die Bestie fand den Tod. Doch als sie am Boden lag und Mondlicht auf ihr Blut fiel, erschien Artemis dem Mädchen und sprach, dass die beiden noch mehr tun mussten. Das Wesen war getötet worden, weil es Zerstörung und Leid gebracht hatte; doch es hatte einen guten Grund gehabt. Artemis nahm dem Mädchen und dem Geistwesen den Schwur ab, den Frauen und Kindern zu helfen. Niemals sollte sich eine Frau vergebens an sie wenden. Sie sollten den Machtlosen helfen. Sie sollten aufstehen und weitere Kriegerinnen um sich scharen. Sie sollten für alle Zeiten kämpfen, bis der Wyrm besiegt sei.


Dies ist die Geschichte, wie Peitho sie mir erzählte. Aber es gibt viele Furien, die eine andere Version über ihre Wurzeln kennen." Sie trinkt einen Schluck aus ihrem Flachmann.
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#7
Waschbär und der Häuptling der Krebse
(Von Jana / von Echo of the Past)

Eines Tages machte Jo-eh-gah, der Waschbär, einen Spaziergang. Wie immer wurde er, kaum dass er ein paar Schritte gemacht hatte, hungrig. Also lenkte er seine Schritte in Richtung des kleinen Flusses, um zu fischen. Nun war er nicht nur sehr hungrig, sondern auch sehr bequem, und er setzte sich auf einen großen Stein im Wasser. "Vielleicht versteckt sich ein Fisch hier drunter", sagte er zu sich, und streckte seine langen Finger unter einen kleineren Stein daneben. Doch kein Fisch verbarg sich darunter, sondern einFlusskrebs, der Jo-eh-gah kräftig in den Finger kniff.

"HE!" rief Waschbär und zog seine Pfote schnell zu sich. Vorsichtig schob er die Hand noch einmal unter den Stein, tastete - und jaulte auf, als der Krebs ihn dieses Mal in zwei Finger kniff. "EH-HEH!", schrie er und starrte wütend auf den Stein. Er war so wütend, dass er für einen Moment fast vergaß, wie hungrig er war. Aber nur fast, denn Waschbären sind sehr hungrig, und weil er so hungrig war, begann er nachzudenken.
"Ihr Krebse seid viiiel zu clever für mich", sagte er mit lauter Stimme, "Ich kann euch nicht fangen und sterbe hier Hungers, ich armer Wicht." Mit diesen Worten ging er zurück in den Wald, doch er hatte einen Plan. Eine Pinie kratzte er solange, bis klebriges Hartz heraustropfte, an dem er seinen Pelz rieb. Dann rollte er sich am Boden in toten Blättern und Schmutz, bis sein Fell stumpf und dreckig war. Aus einem Ulmenzweig, der verrottend am Boden lag, biss er ein kleines Stück heraus und klemmte es in sein Maul, dann schlich er sich leise zum Fluss zurück, rollte sich auf den Rücken, schloss die Augen und öffnete sein Maul ein Stück weit.

Einige Zeit verging, und ein kleiner Krebs krabbelte aus dem Flüsschen. Als es Jo-eh-gah sah, bekam er Angst. "Der Waschbär!", quietschte der kleine Krebs, drehte auf der Stelle um und rannte in den Fluss zurück und direkt unter einen Stein, unter dem er sich versteckte. Seine Scheren klapperten vor Angst so laut, dass die Kiesel auf dem Flussgrund bebten. Aber als keine Waschbärpfoten ihn verfolgten, wunderte sich der kleine Flusskrebs doch. Noch einmal krabbelte er sehr, sehr vorsichtig zum Rand des Flussufers und wagte einen Blick hinaus. Dort lag Waschbär. Sein Fell war dreckig, sein Maul war offen, und seine Augen waren geschlossen.
"Ist Waschbär gestorben?", fragte sich der kleine Flusskrebs. Langsam schob er sich aus dem Fluss. Jo-eh-gah zuckte mit keinem Barthaar. "Er ist tot!", jubelte da der kleine Flusskrebs. Er sprang in den Fluss und schwamm so schnell er konnte zum Stein des Flusskrebs-Häuptlings. Dort hielt der Häuptling gerade Rat, und die größten Flusskrebse standen um ihn herum, und die kleinsten mussten außen stehen, und deshalb hörte niemand dem kleinen Flusskrebs zu, der angekommen war, aber er schrie einfach so lange "Der Waschbär ist tot! Der Waschbär ist tot!", bis der Häuptling das Geschrei am Rande hörte. Er schickte zwei seiner Krieger, die kurz darauf mit dem kleinen - und jetzt sehr, sehr ängstlichen Flusskrebs - zurückkommen. "Du! Was soll das Geschrei?!" "mmnmn mnmnnm..." "WAS?!" fragte der Häupftling noch mal. "Der Waschbär ist tot!", sagte dieser laut. "Wir werden nicht mehr gefressen! Der Waschbär ist tot!"
Die Krieger und der Häuptling sahen sich fragend an. Da fuhr der kleine Flusskrebs fort: "Nein, wirklich! Der Waschbär ist tot! Er liegt tot am Flussufer!"
"Wie ist er gestorben?", fragte der Häuptling. Er konnte sich nur schwer vorstellen, dass Waschbär fort sein sollte.

Der kleine Flusskrebs sah sich um. Inzwischen hatte er die Aufmerksamkeit des ganzen Flusskrebs-Stammes. "Ich hab ihn getötet!", sagte er. "Ich war's, ganz alleine! Es war ein furchtbarer Kampf, mit pow! und peng! und FAST hätte er mich erwischt, aber ich war zu schnell für ihn, und hab ihn gekniffen, und bin weggetaucht und dann hatte er mein Bein, und ich hab ihn unter Wasser gezogen, und dann hat er sich befreit und dann ? hab ich ihn gepackt und hochgeworfen und als er auf dem Boden aufschlug, war er tot. Ich hab ihn getötet!"
"Mhm", sagte der Häuptling der Flusskrebse, "dann bring uns zu dem Ort, wo du diese große Schlacht geschlagen hast."
"Natürlich", sagte der kleine Flusskrebs mit hocherhobenen Scheren, "und da zeige ich euch die Leiche von Waschbär!"

So gingen der kleine Flusskrebs und der Häuptling und die Krieger dorthin, wo Jo-eh-gah noch immer am Ufer lag; und weil sie schrecklich neugierig waren, folgten viele andere Flusskrebse ihnen. Dort lag der Waschbär. Seine Augen waren zu. Seine Füße ragten in die Luft. Sein Maul war auf.
"Schau, ob er tot ist", sagte der Häuptling zu einem Krieger. Der Krieger-Krebs wagte sie ein paar Krabbenschritte heran, und krabbelte dann schnell wieder rückwärts ins Wasser. Aber Waschbär hatte sich nicht geregt. "Er ist tot", sagte der Krieger.
"Zwick ihn!", sagte der Häuptling zu einem anderen Krieger. Dieser krabbelte vorsichtig zu Waschbär. Waschbär regte sich nicht. Der Flusskrebs nahm seinen Schwanz zwischen die Scheren und zwackte hart, aber Waschbär bewegte sich immer noch nicht. "Er ist tot", sagte der zweite Krieger.
"Schau in sein Maul", sagte der Häuptling, der noch immer im Wasser war. Ein dritter Krieger stapfte los. Er schaute in das Maul von Waschbär. Er krabbelte so nah heran, dass er das kleine Holzstück sah, das vor sich hin rottete. "Er ist total tot!", rief der Krieger, "seine Zunge fängt schon an zu verrotten!"
Nun waren sie alle überzeugt. Der Häuptling führte sie aus dem Wasser, und sie versammelten sich im Kreis um ihren alten Feind. Dann begannen sie den uralten Tanz der Krabben zu tanzen und zu ihren Siegestanz zu singen -

An dieser Stelle springt Vi auf die Füße, hebt die Arme über den Kopf und ahmt mit den Händen Krebsscheren nach, die auf und zu gehen, während sie nach einen Schritt nach links und dann einen nach rechts macht: "Der Waschbär ist tot! Der Waschbär ist tot!" - auf Krabbisch war das sicher beeindruckender - "Der Waschbär ist tot! Der Waschbär ist tot!"
Dann setzt sie sich wieder und schaut ihr Publikum mit einem hinterlistigen Lächeln an.


Als sie so tanzten, kamen sie näher und näher zu Waschbär. Als sie ganz nahe waren, so dass manche schon sein Fell streiften, SPRANG Waschbär auf. Er schnappte nach links, und er schnappte nach rechts, er griff mit den Pfoten und mit dem Maul. Er biss hart zu, und die Krieger warf er weit vom Fluss weg auf die harten Steine, wo ihre Panzer zerschollen. Er fraß jeden einzelnen, die kleinen Krebse und die großen, die Krieger und den Häuptling.

Dann ging er zum Fluss und wusch sich das Harz von den Händen. Und als er fertig war und über die leeren Krebsschalen schaute, lächelte er und sagte: "Vielleicht seid ihr doch nicht zu schlau für mich."
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#8
Dörchenanner
(von Jana / Echo of the Past)
Hinweis: Vi hat für jeden Garou, der mitgekämpft hat, einen Absatz und für jeden* Garou einen Ehrennamen.
Feinde sind zur besseren Lesbarkeit kursiv vermerkt.
(*fast...)


Dörchenanner. Stellt es euch vor. 21 Garou, die gemeinsam ausziehen. Die in der Morgendämmerung stehen, ihre Kehlen erheben zu einem Geheul, einer donnernden Drohung an die Perversionen auf der Insel, die sie zurückerobern werden: 21 Garou. 3 Septen, 8 Rudel. 4 Adren, 9 Fostern, 8 Cliaths - ein Wille. Ein Ziel.

Wir waren 21. Garou vieler Stämme, vieler Totems, vieler Ränge. Aber wir alle waren hierhergekommen, um die Insel vom Einfluss des wahnsinnig gewordenen Wyld zu befreien. Wir mussten den Geist töten, der die Insel besetzt hielt, und wir mussten die Wesen töten, die einst Garou gewesen waren. Die einstige Mutter des Baus. Der einstige Hüter des Landes. Der einstige Warder des Caerns. Und Simon Eichenarm, einst Philodox, Alpha, Athro.

Ich werde euch nicht langweilen mit dem Kroppzeug, das uns die Insel entgegenwarf. Die Illusionen. Die Schimären. Die pervertierten Wesen, die aus diesem wyldverseuchten Boden sprossen. Die Steinwesen, die den Boden beben ließen und mit Felsbrocken, groß wie Lastwagen, nach uns warfen. Die Blumen, die uns blendeten, uns blind werden ließen und schreien vor Schmerz.

Weg aus der Finsternis war in unserer Mitte gegangen, bis er den Ort fand, an dem er sich niederlassen musste. Er, der als einziger den Ritus lernen und abhalten konnte, den wir brauchten, um die Insel zu besiegen: Ein Ritus, der den Geist, der sich des Caerns bemächtigte, niederzwang. Ein Ritus, der die Macht von Narwal anrief, der einst hier gelebt hatte, und die Macht aller, die hier gestorben und begraben waren. Ihre Erinnerungen sollten das reinigende Feuer sein, das den falschen Geist hinaus brannte - aber dazu musste er all diese Kraft durch sich selbst leiten, ein Fixpunkt sein in einem Sturm. Und sollte er versagen, würde es ihn zerreißen. So saß Weg aus der Finsternis in unserer Mitte, als Wille der Geister... und mit dem Willen der Geister gesegnet focht er einen erbarmungslosen Kampf gegen die Eindringlinge auf dieser Insel. Als er den Kopf hob, nicht länger die Namen der Garou von einst rezitierte - da wussten wir, dass unser erster großer Kampf gekommen war.

Es waren die Schicksalsschwinge, Kust Skrämma Lag und die Spiegelsplitter, die auszogen, um unseren Gegner zu finden. Eine Garou, die einst Mutter des Baus war - Ewige Zuneigung, Kind Gaias, Adren im Rang und Mutter zahlloser Welpen der Septe, ehe sie den Kampf gegen den Wahnsinn verlor und zu etwas Neuem wurde. Etwas Bösem. Ein Garou mit einem Leib aus Pflanzen, giftigen Ranken und betörenden Blumen, die ihren Angreifern die Sinne vernebelten. So viele mächtige Heiler, so viele mächtige Kriegerinnen unter Fenris - und sie waren gerade genug, um das Biest zu töten, das einst so endlose Liebe gelebt hatte.
Sie brachten sie tot zurück, und ich sah den Kummer in Herzbluts Augen, sie, Kind von Einhorn und Erdmann - und die letzte Welpe, die ihre Mutter des Baus überlebt und nun getötet hatte. Befreit hatte, wie sie grimmig sagte. Es sprach, und sich aufrichtete und den nächsten Feind erwartete, den nächsten Angriff, den nächsten, der ihrer Heilkunst bedurfte, niemals aufgebend. Herzblut... Ihres ist der Sanfte Weg, aber sie geht ihn voller Entschlossenheit.

Das Sterben hatte begonnen - auf der Seite des Feindes. Aber auch wir mussten mit Blut für unseren Sieg bezahlen. Ein weiteres Mal hob Weg aus der Finsternis den Kopf - ein neuer, starker Gegner. Todesmut und Blitzkrieg, wer könnte sich zwei solchen Kriegsrudeln erfolgreich entgegenstellen? Nicht der pervertierte Hüter des Landes von Dörchenanner. Und dennoch war der Preis hoch: Als die Krieger zurückkehrten und den Hüter des Landes zwischen sich trugen, dessen Haut zu Rinde und dessen Arme zu Ästen geworden waren... da trugen sie auch Wacher Blick, Ritenmeister der Dodenwacht. Er, dessen Pfeile so vielen Plagen zum Verhängnis geworden waren. Er, der sich dem ehemaligen Ritenmeister der Insel gestellt hatte in einer wilden Schlacht zwischen dem Umbra und dem Tellurischen, er, der mit Weg aus der Finsternis "Sturmanker" geschaffen hatte, den Fetisch, der uns den Weg auf diese Insel ermöglicht hatte... er hatte bis zum Äußersten gekämpft und alles gegeben. Siegreich war er gefallen, Wacher Blick bereitet den Weg.

Unsere Krieger waren zurückgekehrt, und immer wüster wurden die Angriffe durch das Wyld. Immer seltsamere Abscheulichkeiten stellten sich uns entgegen - und eine davon wurde Stille Post zum Verhängnis. Ranken, mit giftigen Dornen bewehrt, griffen und peitschend an und rissen tiefe Wunden, und das Gift tropfte in unsere Venen und benebelte uns, nahm uns das Augenlicht und tränkte uns mit Wahnsinn. Wir schlugen sie zurück, mit Klauen und Schwertern... und sahen zu spät, wie in unserem Rücken Ranken sich um den Hals von Stille Post schlangen, ihn würgten und ins Dickicht zerrten. Der Blitzkrieg wirbelte herum, auf ihn zu eilend, auch Hammerschlag war bald an seiner Seite - und doch zu langsam, doch zu spät. Stille Post war tot, ehe wir ihn erreichten, und keine Heilung konnte ihn retten.

Als Weg aus der Finsternis ein drittes Mal den Kopf hob, wusste Bullet-Proof, dass seine Stunde gekommen war. Er rief die zu sich, die ihm folgen würden: Seinen Blitzkrieg und die Schicksalsschwinge. Wir, die wir am Feuerplatz wachten, hörten nur das Gebrüll des Kampfes in der Ferne. Wie hätten wir uns vorstellen können, was dort geschah? Der Warder der Insel, einst stolzer Adren Ahroun der Kinder Gaias, war nun ein Biest aus Wasser und Eis, der den Boden versumpfen ließ und die Krieger Gaias zu ersaufen versuchte. Rupert starb dort - Rupert, der so kraftvoll an unserer Seite gestanden hatte. Er, der sich dem Feind in den Weg geworfen hatte, als ein Steingolem einen riesigen Felsen auf Weg aus der Finsternis schmiss, der in Trance das Monster bekämpfte, dass diesen Ort beseelte! Während alle anderen noch starrten, warf Rupert sich in die Luft und fing den Felsbrocken ab, der unser aller Hoffnung zerstört hätte. Er selbst wurde von dem Stein begraben - und überlebte es, mit einem grimmigen Grinsen und einem Spruch auf den Lippen. Auch dem Warder stellte er sich ebenso furchtlos, ebenso trotzig. Als er starb, tat er es so tapfer, so furchtlos, wie ein Held der Fianna es tun sollte - Springt dem Feind entgegen, bis zum Schluss.

Doch sein Tod allein reichte nicht, um den Warder zur Strecke zu bringen. Bullet-Proof hatte es kommen sehen, in Visionen und Wegweisungen. Er wusste, dass sein Tod hier und heute nach ihm rief - und er schärfte seine Klauen und griff ihn an. Ruhm und Ehre, das war, für das er lebte, und auch in seinem letzten Kampf lebte und starb er dafür. Als er erkannte, was der Warder vorhatte - Wasser, das jede Rüstung umging; Wasser, das keinen von ihnen gehen lassen würde - stellte er sich dem Feind und forderte ihn zum Duell. Wassermassen schossen hoch und bildeten einen undurchdringlichen Kreis um ihn und seinen Feind, Wassermassen, die niemanden zu ihnen ließen - nicht einmal die Einzige aus seinem Rudel, die noch lebte, und die alles gegeben hätte, um ihn zu heilen. Doch, Ruhm und Ehre - ehrenvoll zog Bullet-Proof in den Kampf, ruhmreich gewann er seine letzte Schlacht - und bezahlte mit seinem Leben in dem Wissen, seinen Feind besiegt zu haben.

Und dann, endlich, erschien er. Die Welten brachen schon fast zusammen: Das Umbra war so nah, dass wir es fast greifen konnten. Immer wieder wichen wir zurück vor Wesen, die auf uns zu schnellten und sich gegen den Todesgürtel warfen, der nicht stärker war als ein Netz aus feinster Seide zwischen den Welten... und wir waren froh, uns diesen Biestern jetzt nicht stellen zu müssen, denn ein größerer, schlimmerer Gegner erwartete uns - und wir brauchten jeden Krieger, jedes Schwert um uns ihm zu stellen.

Eichenarm.

Als er erschien, bebte der Boden und seine pure Präsenz warf uns, zwang uns zu Boden. Knurrend gaben wir nach, ein Druck, als hätte er jeden von uns im Nacken gepackt, würde unsere Schnauzen mit seinen Pranken zermalmen, würde uns die Beine unter dem Boden wegfegen und uns zu Boden schicken... Solch eine Macht, trotz des Wahnsinns, der in ihm hauste. Sein Gesicht war blau vor Anstrengung, die Maske der Menschlichkeit zu bewahren - jeder konnte den Sturm sehen, der in ihm toste, der nach draußen wollte, endlich befreit sein wollte von diesem Gefängnis.

Langsam kämpften wir gegen die unsichtbaren Klauen an, die unsere Herzen gefangen hielten, und erinnerten uns des Schwurs: Gaia zu beschützen, koste es was es wolle - und so warfen wir uns auf den Feind. So viele Garou! So viele Klauen! Manch einer brüllte vor Wut, dass er Eichenarm nicht erreichen konnte, so viele Verbündete hatten sich um ihn geschart und schlugen auf ihn ein. Ihre Klauen schlugen, rissen und zerfetzten und schienen doch nicht zu treffen - ihre Fänge verbissen sich in seine Haut und ließen doch kaum Blut sprudeln - ihre Waffen, Klaiven und Schwerter gleichermaßen, bohrten sich in seinen Leib und hinterließen doch nur kleine Striemen, kaum der Rede Wert - und währenddessen schlug er um sich, warf drei, vier mächtige Garou von sich, fegte zwei weitere von den Beinen. Ich sah Fjäll-i Brännigen, wie sie ihren Hammer schwang mit einem Schlag, der Eichenarm den Schädel zertrümmern musste! Aber er blockte ihn nur ab, lässig, packte ihren Hammer am Stiel und stieß die Modi zurück, doch sie sprang ihn wieder an, so wie jeder andere. Ich sah Kühne Entschlossenheit, brennendes Abbild von Wiesels Wildheit, die sich an seine Kehle verbiss und ihn nicht losließ, auch als er auf sie einhämmerte mit Schlägen, die ihre Rippen zertrümmerten. Ich sah Herzblut, Tränen des Zorns in ihren Augen, wie sie einen Hieb von Eichenarm blockte und dann ihre heilende Hand ausstreckte, um einen anderen Krieger zu heilen... und dann fiel Simon Eichenarm, einst Athro der Kinder Gaias, einst halbmondgeborener Garou.

Und der Sturm brach los.

Wer von euch hat gedacht, es wäre der einfache Part, einen Athro der Kinder Gaias zu besiegen? Von uns haben es sicher einige gedacht. Aber in dem Augenblick, als wir das Heulen des Sturms hörten, als wir die Macht spürten, mit dem die Böen auf uns einschlugen, da zweifelte niemand mehr, dass alles bis hierher nur ein Vorgeschmack gewesen war.

Wir konnten den Sturm nicht fassen. Wir konnten ihn nicht packen, nicht zerreißen. Wir konnten ihn nicht verletzen. Wir nicht.

Es ist gut, Verbündete zu haben. In dem Augenblick, als der Sturm losbrach, spürte ich das Gewicht des Geschenks, das die Feen uns in der Nacht zuvor gemacht hatten. Ich riss ihr Geschenk hoch, zerbrach es in meinen Fingern, und ein triumphierendes Heulen brach sich Bahn bei denen, die im Zentrum des Sturms standen - denn plötzlich hatte der Sturm einen Körper, einen lebenden, blutenden Körper, ein neues Gefängnis, das nach unseren Regeln funktionierte. Er lebte, also würde er sterben.

Und wie sie sich darauf stürzten! So viele Garou, dass nicht alle gemeinsam angreifen konnten. Manche standen neben den Heilern, bis sich endlich die Gelegenheit ergab, den Platz eines Verbündeten einzunehmen, während der Heiler ihn wieder auf die Beine stellte. Und was für mächtige, gute Heiler wir hatten! Wieder und wieder waren sie da, wenn die Krieger vom Sturm zur Seite geschlagen wurden.

Da war Fjäll-i Brännigen, Hammer und Amboss zugleich, die ihren mächtigen Hammer schwang als würde er nicht so viel wiegen wie sie selbst! Sie donnerte ihn dem Sturm gegen die Brust, wirbelte herum, getragen von ihrem eigenen Schwung, hämmerte ihn gegen seine Beine! Und als die nächste Sturmböe kam, sie hinwegfegte... Da hieb sie mit dem Hammer auf den Boden. Eine gewaltige Furche zog sich durch die Erde, wo der Hammer ihren Fall gebremst hatte, und schon stürmte sie wieder nach Vorne, dem Feind entgegen.

Wie oft Kühne Entschlossenheit zu Boden ging, kann ich nicht sagen - wieder und wieder sah ich, wie sie von einem gewaltigen Hieb oder einem Sturmwind durch die Luft gewirbelt wurde und hart auf dem Boden aufschlug. Und jedes Mal sprang sie wieder auf, stürzte sich erneut auf ihren Gegner und verbiss sich in seine Kehle, Tochter des Wiesels - sie, die den Heilern befohlen hatte, sich um andere zu kümmern als um sie - andere, deren Rudel noch lebte. Und so sprang sie immer wieder nach vorne, verbiss sich immer wieder, sie, die alles gegeben hatte und bereit war, noch mehr zu geben - mit der ganzen Wildheit des Wiesels.

Als der Kampf am heißesten loderte, brüllte Datenfang mit einem Mal : "Aus dem WEG!", Szlabans Streitkolben hoch über dem Kopf. Der Zorn brannte so heiß in ihm, dass das Metall des Streitkolbens zu glühen begann - dieses Metall, und der Stahl, zu dem sein graues Fell geworden war. Ich roch schmelzendes Metall, und verkohlende Haut, als sich der Stahl des Streitkolbens in seine Handflächen brannte. Doch Datenfang verdrängte den Schmerz und ging weiter, ein schwerer Schritt nach dem anderen, und dann brachte er den lodernden Streitkolben auf den Feind herab ... Es war purer, Glühender Zorn, der den Feind traf!

Aber auch das brachte den Sturm nicht zu Fall. Weiter und weiter tobte der Kampf. Die Heiler sprangen vor und zurück, und auch wir, die Sucher der Wahrheit, die Weg aus der Finsternis beschützten, warfen uns in die Schlacht. Ascheläufer, dessen untrüglicher Richtungssinn uns über die Insel geführt hatte, hieb gnadenlos auf den Sturm ein, wo immer ein Verbündeter zurücktaumelte. Wenn die Heiler vorpreschten, gab er ihnen Rückendeckung, ließ seine Klaive silbern tanzen und ließ den Sturm seine eigenen Bisse schmecken. Nicht einmal erwischte der Sturm ihn mit einer einzelnen Böe, so schnell wich er aus, und Ascheläufer, Schneller als der Sturm, zerfetzte den Feind mit Klauen, Klaive und Zähnen.

Neben ihm kämpfte Ohne Gesicht, mein Rudelbruder, auch er bewaffnet mit seiner Klaive, auch er sich drehend, wendend, dem Gegner immer wieder Wunden zufügend. Als Hammerschlag raste, war es Ohne Gesicht, der sich ihm in den Weg warf, ihm auswich, sich unter den Klauen des Modi hinwegduckte und dann auf den Sturm zuraste, den brüllenden Vollmond hinter sich herziehend, bis sich Ohne Gesicht mit einem Sprung über den Sturm in Sicherheit brachte - und Hammerschlag die ganze Wucht seines Zorns am Feind entladen konnte.. Ohne Gesicht, ohne Furcht.

Und ich? Während um mich herum die Schlacht wütete, während Garou kämpften, heilten, rasten, musste ich mich zügeln, durfte ich mich nicht rühren, denn neben mir saß Weg aus der Finsternis, Schweißperlen auf seiner Stirn vor Anstrengung, die Mächte des Wyld zu bändigen. Vor mir brüllten die Garou in Kampfeszorn, hechteten die Heiler zu jedem, der sie benötigte... Doch ich konnte etwas tun, ohne meinen Wachposten zu verlassen, denn der Sturm war ein Geist, und einen Geist kann man binden. So nahm ich das zweite Feengeschenk und rief die Kräfte der Geister Gaias an, um den Sturm zu fesseln.
Es war, als wolle man einen Ozean trinken... als wolle man ein Gebirge abtragen mit nichts als einem Löffel... Solch eine Macht habe ich noch nie verspürt... aber es war, was ich tun konnte, und so tat ich, was ich konnte, brüllte dem Sturm entgegen.
Die Schlacht tobte weiter. Immer häufiger gingen unsere Krieger zu Boden. Und dann... dann kam der Moment, an dem die Heiler aufsahen und kaum noch stehen konnten. Kaum noch einer, der Kraft hatte, unsere Verwundeten zu heilen, und der Sturm war noch lange nicht gebunden! Ich blickte zur Schlacht, bereit, den Ritus zu brechen wenn ich dafür nur jemanden retten konnte. Fjälli- Brännigen ging zu Boden, ihr Blut tränkte den Boden...

Und dann war Graue Wölfin Gefjions Hieb an meiner Seite, streckte die Hand nach der Kugel aus, die das Gefängnis sein würde. Kein Wort mussten wir wechseln, und sie, mächtige Godi, einst Ritenmeisterin und stets Warderin des Weißen Schädel, verdiente Adren, übernahm den Ritus in einem Wimpernschlag. Kraftvoll, ungebrochen dröhnte ihre Stimme über das Schlachtfeld, als sie die Geister beschwor, ihr zu Seite zu stehen, und ich sprang zu Fjäll- i Brännigen, rutschte unter einer Klinge hindurch, berührte sie die Modi in ihrem letzten Atemzug und holte sie zurück - ein frischer Heiler mehr in unseren Reihen dank Graue Wölfin Gefjions Hieb, Fesselt den Feind.

Aber ich war nur ein Heiler unter denen, die schon seit Beginn des Tages unsere Krieger zurückgeholt hatten. Und keiner von ihnen ließ es darauf beruhen. Jeder unserer Heiler schien fest entschlossen, für jeden geheilten Krieger Gaias eine Wyldbestie zur Hölle zu schicken!
Ich sah Sti Findir, Tochter des Fenris - natürlich! Wer würde jede Wunde mit einem höheren Preis bezahlen lassen als eine Nachfahrin? Eisern stand sie hinter ihren Schwestern, schloss ihre Wunden mit der einen Hand und riss mit der anderen tiefe Furchen in den Sturm! Nicht eine Sekunde ließ sie ihr Rudel aus den Augen und war doch für alle da - ihre Schwestern, ihre Verbündeten und ihre Feinde - Sti Findir Nimmt-das-Blut.

Ich sah Szlaban, seinen gewaltigen Streitkolben in der Hand und die Augen offen für jeden, der seiner Hilfe bedurfte. Wieder und wieder wurde er vom Sturm von den Beinen gerissen, doch er kämpfte sich hoch, sich auf den Streitkolben stützend, eine Hand den Freunden reichend, ihnen den Rücken deckend, ihnen Kraft und Leben schenkend und stets - bereit für den Kampf.

Ich sah Schleichender Schlag, der zu den Verwundeten sprintete. So oft war es seine Hand, die einen Todgeweihten zurückholte - er, der für diesen Tag das Heilen gelernt hatte und dieser Gab alle Ehre machte. Statt sich in Lunas Rüstung zu schützen, nahm er die Kraft, um einen weiteren Verbündeten zurückzuholen, und warf sich selbst wieder in die Schlacht, Heiler und Krieger zugleich - Schleichender Schlag, Rettende Hand.

Und während die Heiler durch die Reihen preschten, um jeden Sterbenden zurückzuholen, stand einer direkt am Feind und ließ sich nicht beirren: Hammerschlag, die Krallen ihn in geschlagen, die Fänge in seiner Haut. Sturmwind kam und riss ihn nach hinten, aber er sprang auf, brüllte dem Sturm entgegen und donnerte wieder nach vorne: Hammerschlag, stets am Feind.

Und wo sollte sein Rudelbruder sein, wenn nicht direkt an seiner Seite? In Lunas Rüstung gewandet, ein Opfer einer Freundin, stand Speaks with Passion vor dem Sturm und schlug ihn, rang mit ihm, stürmte auf den Feind zu und egal wie oft er weggeschleudert wurde, er kam wieder - Speaks with Passion, Kämpft mit Herz.

Ich sah Weltenbrand, wie sie zu Boden geschleudert wurde und sich in der Raserei erhob, sich wieder auf den Feind warf. Ihre Klauen zerfetzten ihn, ihre Fänge rissen tiefe Wunden, bis der brennende Zorn sie irgendwann verließ. Sie sackte zu Boden, rang um Luft - und stand auf, taumelnd, angeschlagen- und verdammt wütend! Blutend stapfte sie dem Gegner entgegen, wissend, dass sie hier sterben könnte, dass die Heiler keine Kraft mehr hatten... aber das war ihr egal, denn Weltenbrand hatte ihr Urteil gefällt, ein flammendes Urteil, das dieses Wesen sterben musste.

Und das tat es! Ein letzter Aufschrei, eine letzte Explosion von Wind und Sturm und Eis, die uns alle von den Füßen fegte, uns meterweit schleuderte und manchem von uns in die Besinnungslosigkeit prügelte. Aber er war besiegt - wir hatten den Sturm zerrissen! Wir haben gesiegt!

Doch unsere Freude wurde gedämpft. Überall lagen die Körper von Garou. Viele konnten wir aus der Ohnmacht wecken. Aber einige kamen nie wieder zurück.

Wir fanden den Leichnam von Spricht für die Ungehörten. Der Jüngste der Cliaths, die ausgezogen waren. Bis zum Schluss hatte er gestanden, geheilt und gekämpft - bis der Sturm ihn zerriss. Doch bis zuletzt war er da und wich keinen Schritt zurück- Spricht für die Ungehörten an unserer Seite.

Und wir fanden den Leichnam von Scharfe Zunge sticht ins Herz, Alpha der Dodenwacht - um Jahre gealtert. Wir verstanden nicht, woher die grauen Strähnen kamen und die Falten in seinem Gesicht. Erst später, als wir zum Caern zurückkehrten, hörten wir die Geschichte. Gestalten, die aus dem Nebel gekommen waren, Helden vergangener Zeiten. Scharfe Zunge hatte den Preis für einen Tag in dieser Welt gezahlt. Ein Jahr für jeden Helden, der kam, um die Dodenwacht zu verteidigen. Jahre, die am Ende der Schlacht gefordert wurden. So starb er. Scharfe Zunge - Zeit für den Kampf.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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#9
Der erste Ritus von "Zahlt den Preis", Ragabash der Fianna
(Von Jana / erzählt von Echo of the Past)


"Bitte! Bitte. Ich bin kein Galliarde, doch auch ich möchte eine Geschichte erzählen. Es ist ein Jahr und einen Tag her, und es ist an der Zeit, zu wiederholen, was die ersten schon vergessen haben und andere noch nie hörten. Eine Geschichte über den Heldenmut eines Welpen, der mit seinem Leben für die Sicherheit eines Caerns zahlte.

Vor einem Jahr und einem Tag war es, und es war ein Tag wie heute: grau und wolkig, das Gras nass von Nebel und Tau. Das Feuer brannte, und alle waren versammelt. Der Meister des Geheuls hatte alle gerufen, und alle waren gekommen. In ihrer Mitte standen zwei Welpen, die auf ihren ersten Ritus geschickt werden sollten.
Sie waren fast gleich alt und gleich geschickt, aber ansonsten ganz verschieden: der eine ein Ragabash der Fianna, fast immer gut gelaunt und bekannt für seine Scherze, doch auch für sein Temperament, die andere eine Philodox der Stillen Wanderer, verschlossen und schweigsam, lieber zuhörte und ruhig blieb. Diese beiden wurden ausgeschickt, zu welchem Ziel, weiß ich nicht.

Was ich weiß, ist, was ihnen geschah.
Sie folgten dem vorbestimmten Weg durch den Wald, als sie spürten, dass etwas falsch war. Sie lauschten und folgten der seltsamen Spur bis zu einem Abhang. Verborgen zwischen den Blättern der Büsche spähten sie hinab, und erschraken: Ein Rudel Tänzer schändete den Wald mit ihrer Anwesenheit, und wie sie starr vor Schreck dort noch saßen und lauschten, begriffen sie, dass dieses Rudel auf dem Weg zum Caern war!
Die Welpen wussten, dass sie etwas tun mussten ? dieses Rudel Tänzer war bestimmt nicht ihr Gegner für den ersten Ritus. Doch noch während sie mit fliegenden Gedanken überlegten, was sie tun sollten, sahen die Tänzer auf, in ihre Richtung, dort, wo sie verborgen saßen - sie waren entdeckt!
"Lauf!", flüsterte da der junge Ragabash hastig und sprang auf. Seine Gefährtin hielt ihn fest, doch er schüttelte sie ab: "Du bist schneller als ich, leiser, und zäher! Lauf zum Caern und warn die anderen!"
"Was ist mit dir ?!", zischte sie. "Wenn sie dich kriegen?"
"Sie kriegen mich nicht", log er sie an. "Und wenn, dann bist du schnell genug wieder da, um mich da rauszuholen! Der Caern geht vor, jetzt LAUF!"

Und mit diesem letzten Wort sprang er hoch, machte einen weiten Satz aus dem Gebüsch und landete in vielen Metern Entfernung. Die Tänzer, die ihn sahen, verfolgten ihn sofort. Schon hetzte die ganze Meute an dem Gebüsch vorbei, wo die junge stille Wanderin lag und zu Gaia betete, sie mögen sie nicht hören und nicht riechen. Sie hörte das Brechen von Ästen und das Knurren aus einem Dutzend verkommener Kehlen, und ihr wurde fast übel von dem Gestank des Wyrms und der Sorge um ihren Gefährten. Doch sie wusste, dass sie ihm jetzt nicht mehr helfen konnte. So zählte sie stumm herunter, zitternd vor Anspannung, bis die Tänzer endlich weit genug fort waren. Dann sprang auch sie aus dem Gebüsch und hetzte zum Caern, so schnell ihre schwarzen Pfoten sie trugen. Doch auch sie blieb nicht unentdeckt. Kurz vor dem Ziel lief sie in zwei Späher der Tänzer. Kugeln flogen um ihre Ohren, und schon hetzten die Tänzer ihr nach. Doch sie ignorierte den Schmerz und lief mit aller Kraft, die Eule ihrem Stamm gegeben hatte, bis sie am Caern eintraf. Hier erst überwältigte die Pein sie, und sie brach zusammen, doch sie konnte noch von der Gefahr berichten, ehe die Ohnmacht sie mitriss. Schon waren die Heiler bei ihr, die ihre Wunden versorgten, schon rief der Wächter den Alarm aus, schon war das Rudel des Wyrmfeindes zur Stelle und preschte in den Wald, um sich den Tänzern entgegen zu werfen und den Welpen zu retten.
Als sie zurückkamen, war es dunkel, und sie trugen die Leiche des Welpen auf den Armen.
Die Tänzer hatten ihn gefangen und gefoltert, ehe sie ihn ermordeten. Sie hatten seine Leiche geschändet, und hatten noch nach seinem Tod versucht, von ihm alles über den Caern zu erfahren, doch er hatte geschwiegen, wissend, dass er sterben würde.

Dieser Abend war ein trauriger. Doch der Ritus war begonnen worden und wurde beendet. So erhielt die trauernde Philodoxwelpe ihren Rang und ihren Namen. Die Tat des gefallenen Welpen und sein Mut wurden jedoch nicht vergessen, und so wurden auch ihm für seine selbstlose Entscheidung und seinen ehrenvollen Tod der Rang und sein Name gegeben, und die Trauernden heulten ihn hinaus in die Nacht, auf dass die Geister lauschten: "Zahlt den Preis", Ragabash der Fianna im Range eines Cliath, gestorben am Tag seiner Geburt vor den Geistern, der den Wert der Litanei höher schätzte als sein eigenes Leben."

Schweigen senkte sich über das Feuer, als das Geheul der Philodox endete. Niemand hielt sie auf, als "Bittere Kunde" ihre Sachen nahm und ging.
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
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#10
Auf einem Baum drei Raben stolz
Oh Leid, oh Weh, Oh Leid, Oh Weh
Auf einem Baum drei Raben stolz
Die war?n so schwarz wie Ebenholz

Der eine sprach, Gefährten mein
Wo soll die nächste Mahlzeit sein?
In jenem Grund, auf grünem Feld
Liegt unter seinem Schild ein Held

Seine Hunde liegen auch nicht fern
Sie halten Wacht bei ihrem Herrn
Seine Falken kreisen auf dem Plan
Kein Vogel wagt es sich zu nah?n

Da tritt zu ihm ein scheues Reh,
Ach dass ich meinen Liebsten seh!
Sie hebt sein Haupt, von Blut so rot,
der Liebste, den sie fand, war tot

Sie gräbt sein Grab im Morgenrot
Am Abend war sie selber tot
Ach guter Gott, uns allen gib
Solch Falken, solche Hund, solch Lieb!

Falls jemand die Melodie nicht kennt: http://www.youtube.com/watch?v=_BgxcbBQlK4



Vi  nimmt einen Schluck Tee aus ihrem Becher, dann beginnt sie zu erzählen.

Das war eines der Lieblingslieder von Romina, "Übersteht das Gewitter", Galliardin der Fianna. Sie war die Welpenschwester von "Schwesterträne", Ahroun der Silberfänge, Alpha der Löwengrube. Die beiden waren in vielen Dingen verschieden, und doch fast unzertrennlich. Allein zu jener schicksalshaften Quest, bei der sie die Seele von "Bloodspiller" retteten, Ahroun der Silberfänge und Bruder von Schwesterträne, wollten die Winde es so, dass nur eine von beiden mitgehen konnte. Eine Heldentat, die an einem anderen Abend erzählt werden soll, denn es steht eher denen zu, davon zu berichten, die es erlebt haben." Sie neigt den Kopf in Richtung Ascheläufer.

"Doch soviel sei gesagt. Die "Letzte Hoffnung" rettete die Seele des Gestorbenen, doch er konnte nicht direkt heimkehren. Eine weitere Aufgabe musste erfüllt werden, und Tänzer stellten sich dem Rudel in den Weg. Elende, verdorbene Kreaturen, vollkommen wahnsinnig und fern jeder Gnade. Schwesterträne führte ihr Rudel in den Kampf, und ihre Gefährten folgten ihr: Romina "Übersteht das Gewitter" an ihrer Seite, Ascheläufer, und Datenfang", sie nickt Alex zu, falls er zuhört, "und "Streitet Mit Geistern", geboren als Theurge unter den Schattenlords. Sie kämpften tapfer, doch als der letzte Tänzer erschlagen war, lag auch das Rudel am Boden. Mit letzter Kraft heilten sie sich, doch für eine war es zu spät: Romina war tot."

Sie senkt kurz den Blick, die Zeit hat den Schmerz wohl nie ganz geheilt. Dann erzählt sie weiter. "Der Rest der Aufgabe wurde erfüllt, und das Rudel kam zurück, gerade am Tag zu Samhain. Streitet Mit Geistern war der Ritenmeister unserer Septe, und er leitete den Ritus. Alles verlief gut, und die ersten Besucher - die ersten Toten, die sich verabschieden wollten - kamen zu uns. Unter ihnen war auch Romina, aber sie war blass und düster, und sprach flüsternde, scharfe Worte zu ihrem Rudelbruder Streitet Mit Geistern, bis der Alpha des Ahrounrudels - "Friedensstifter", Ahroun der Kinder Gaias, der gerade drei Monate zuvor Cliath geworden war - fragte, was Romina gesagt hätte. Sein Beta, ebenfalls ein Ahroun und ein Nachfahre der Fenris, dachte nicht nach, sondern antwortete, was er gehört hatte: Dass Romina Streitet Mit Geistern vorwarf, sie getötet zu haben."

Sie blickt ernst in die Gesichter ihrer Zuhörer. "Was folgte, war Chaos. Friedensstifter stürzte sich in Raserei auf Streitet Mit Geistern, der nicht einmal wandelte. Das war das letzte, was ich davon sah; wir alle warfen uns dazwischen, um die Kämpfenden zu trennen; die 'Letzte Hoffnung' versuchte Streitet Mit Geistern zu retten, die 'Todestreue' - das Rudel der Ahroun - versuchte sich zu Friedensstifter durchzukämpfen. Selbst wir Welpen versuchten irgendwas zu erreichen, so stark war der Instinkt zu helfen. Und dann scholl über den Kampfeslärm die Stimme von Hanna der "Suchenden": "Ihr könnt aufhören - er ist tot...""

Vi schweigt lange. Als sie fortfährt, ist ihre Stimme traurig. "Es war ein Schlag für uns alle. Wir hörten Löwe brüllen, als Blut während der Heiligen Moot, während des heiligen Ritus zu Samhain vergossen wurde; und die schwächeren Geister flohen vom Caern. Der Ritus brach in Scherben, weil der Ritenmeister tot am Boden lag; aber die Kämpfe waren noch nicht vorbei. Wir nahmen es wahr, hielten für eine Sekunde inne, und dann riss Elias - Blutsverwandter der Schattenlords, Freund von Streitet Mit Geistern und Mitglied in der 'Todestreue' - seine Waffe raus und drohte seinen Alpha zu erschießen. Und Alex - Schafft's Trotzdem, Knochenbeißerin und brillanteste Theurgin ihrer Zeit... Alex, die gerade zwei Wochen ihren Rang hatte und die die Schülerin von Streitet Mit Geistern gewesen war... Alex stürzte sich in Raserei auf den nächstbesten, und Datenfang und ich hielten sie am Boden und sie tötete uns fast, obwohl sie klein und zierlich war - die Raserei und der Schmerz verliehen ihr die Kräfte eines Sturms.

Als sich alles beruhigte, betäubt von dem, was da geschehen war, wussten wir nicht, was überhaupt passiert ist. Wir sahen die Leiche von Streitet Mit Geistern, den der Schlag von Friedensstifter in zwei Hälften zerrissen hatte. Wir hörten noch die Worte Rominas in uns widerhallen, aber niemand aus ihrem Rudel konnte glauben, dass das passiert sein sollte. Löwe hatte uns die Gabe geschenkt, unser Rudel zu fühlen, zu spüren - wie hätte Streitet Mit Geistern seine eigene Schwester umbringen können?

Der Zorn, der in uns kochte, hatte jemanden das Leben gekostet, und nun würden wir nie erfahren, was Gerechtigkeit gewesen wäre."

Wiederum schweigt sie lange, dann beginnt sie zu singen.

Die Krähe kam geflogen, durch die schwarze Nacht
Auf ebenholznen Schwingen, hat Wort sie mir gebracht
Komm Sänger, hör mein Klagen, sprach sie mir ins Ohr
Mein Bruder ward erschlagen, erschlagen, erschlagen
Ohne Richters Urteil, nahm man ihn von mir fort ..

Am Saum des großen Flusses, dort im tiefen Hain
lebte der Hirsche König, das Fell wie roter Wein
Der König aller Tiere auf des Waldes Grund
Geliebet und Geachtet, Geachtet, Geachtet
Für Mut und seine Weisheit, so war es jedem kund

Doch als der Tag will dämmern, das Gras ist nass vom Tau
Da sucht ihn seine Liebste, durchstreift das Morgengrau
Wo ist denn nur ihr König, fragt sie das Morgenrot
Sie sucht ihn voller Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen
Sie findet ihn im Walde, der König stolz ist tot

Das Blut noch frisch fließt strömend, die Bäume weinen Harz
Hoch oben auf dem Leichnam sitzt die Krähe schwarz
Die Krähe auf der Brust sitzt, der Schnabel vom Blut rot
Die Krallen in der Wunde, Wunde, Wunde
Des Königs Augen klagend, sie klagen noch im Tod

Der Hindin Schrei durchbrechet Wald und Laub und Stein
Ein jeder eilet näher, zur Hilfe will ihr sein
Da sehen sie die Krähe, es packt sie heiße Wut
?Tötet diesen Mörder, Mörder, Mörder!?
Sie packen und sie töten, es fließt der Krähe Blut

Nicht Wort, noch Schrei noch Klage, singt die Krähe aus
Nicht flattert sie, noch fliehet, hält wie erstarrt es aus
Als Klauen sie zerfetzen, als Bisse sie zerteil?n
Sie stirbt in ihrem Schweigen, Schweigen, Schweigen
Und als sie tot da lieget, hört man die Eule schreien.

?Was maßt ihr an zu richten, was nennt ihr denn gerecht,
wie denkt ihr denn zu richten, wenn niemand Urteil spricht?
Wer sagt euch wer der Mörder, wer sagt euch, wer ein Dieb,
Wer sagt, wer völlig schuldlos, schuldlos, schuldlos,
Wieso wollt ihr nur Rache, für jenen den ihr liebt??

?Nun Sänger?, sprach die Krähe, ?trag die Geschichte fort:
Vom Urteil ohne Richter, an einem fernen Ort
Wo niemand je wird wissen: war die Krähe schlecht?
War sie denn gar ein Mörder, Mörder, Mörder,
Oder war sie gar schuldlos, und die Henker ungerecht??

Und auch hier nochmal die Melodie: http://www.youtube.com/watch?v=e7Y-VBD0kRI
Echo of the Past, bei den Menschen unter dem aufsteigenden Dreiviertelmond geborenen, Adren der Fianna, Alpha der Septe Dodenwacht, Alpha der Sucher der Wahrheit unter Eule.
Vi reicht.
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